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Gedichte. Zweiter Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Zweiter Theil - Kapitel 106
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Zweiter Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeDritter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Schwesterngesundheit,

ausgebracht am Johannisfeste 1782.

Der Eintracht und der Schwestern Preis
Wer beide zu vereinen weiß,
Ist nicht genug zu preisen:
Als Bruder stets um Schwestern sein,
Und nie mit ihnen sich entzwei'n,
Das ist der Stein der Weisen.

Die Schwestern gruben zwar den Stein
Gar tief in ihre Herzen ein,
Daß wir ihn nicht ergründen;
Allein das schreckt den Maurer nicht:
Er wird bei seiner Sonne Licht
Den Stein gewiß noch finden.

Doch bis der edle Diamant,
Der allen Zwist und Hader bannt,
Durch uns're Kunst erschienen,
Will ich, wie jeder Maurer soll,
Zu unserm und der Schwestern Wohl
Mit frommen Wünschen dienen.

Wenn Vorwitz eine Schwester sticht
Nach Dingen, die uns Eid und Pflicht
Zu sagen nicht erlauben,
So gebet ihr ein X für U,
Und macht ein ernst Gesicht dazu,
Und trau'n! sie wird es glauben.

Wenn Schwestern böser Laune sind,
Und mit Gemahl und Hausgesind
Aus langer Weile keifen,
So müßt ihr taub und fühllos sein,
Und euch bemüh'n, den rauhen Stein
Mit Jobs Geduld zu schleifen.

Wenn Schwestern eifersüchtig schmäh'n,
Und euch Gardinenpredigten
Um eure Ohren sausen,
So denket, daß hier vor Gericht
Ein lauer Bruder Redner spricht,
Schlaft ein, und laßt euch zausen.

Wenn Zorn in Schwesteraugen glüht,
Aus ihrem Munde Feuer sprüht,
Und euch in Schrecken setzet,
Geht wacker zu, seht euch nicht um;
's ist eitel Kolophonium,
Das euch kein Haar verletzet.

Wenn eine Schwester seitwärts schielt,
Und Hangen und Verlangen spielt,
So nehmt geschwind die Binde,
Und hütet euch vor'm Tageslicht;
Der Seh'nde geht hier lange nicht
So sicher als der Blinde.

Wenn eine Schwester zankt, daß sie
Nicht Erben kriegt, so machet nie
Durch Zank das Uebel größer;
Beruhigt sie für diesen Fall,
Und machet für ein andermal
Die Ehstandsarbeit besser.

Wenn's eine gar zu bitter macht.
Und ohn' Erbarmen Tag und Nacht
Mit Haß und Lieb' euch quälet,
So duldet's ohne Ach! und Weh!
Und denkt, ihr seid der Leidende,
Der seinen Weg verfehlet.

Die Schwester aber, die euch liebt,
Und Tag und Nacht euch Freuden gibt,
Die, Brüder, sei euch theuer!
Verehrt die Holde für und für,
Mit Maurertreu', und gebet ihr
Das allerstärkste Feuer!

Die Schwester, die den Maurer liebt,
Die Schwester, die uns Freuden gibt,
Soll hoch und ewig leben!
Uns aber soll, der Alles schafft,
Stets treuen Sinn und Maurerkraft
Und Muth in Fülle geben!

*

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