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Gedichte in allerlei Humoren

Ludwig Eichrodt: Gedichte in allerlei Humoren - Kapitel 1
Quellenangabe
typepoem
booktitleDer wirkliche Herr Biedermeier
authorLudwig Eichrodt
year1992
firstpub1853
editorChristel Seidensticker-Schauenburg
publisherMoritz Schauenburg
addressLahr
isbn3-7946-0272-2
titleGedichte in allerlei Humoren
pages182
created20110604
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Neuester deutscher Parnass

(Eine Sammlung Manier-Gedichte)

 

Ein Gespräch im Himmel,
als
Vorbemerkung

Apollo: Lieber Momus, du bist lange ausgeblieben. Wo hast du denn gesteckt in's Teufelsnamen?

Momus: Sehr in Eurem Namen, lieber Unsterblichster, denn Ihr habt mit einer boshaften Teufelei mir den langweiligsten Auftrag unter der Sonne gegeben.

Apollo: Ich bin sehr begierig zu hören, was meine Zunft in unserem deutschen Vaterlande seit einem Jahrzehende getrieben hat.

Momus: Ihr hättet mir nur auch zehn volle Jahre Zeit geben sollen. Und was haben wir Zwei Vernünftigeres zu thun, als Verse zu machen oder gemachte Verse zu loben, wenn wir sie nicht tadeln müssen?

Apollo: Spotte nicht über meinen Lebensberuf, sondern berichte!

Momus: Nur das nicht, im Gegentheil will ich Euch blos Etwas vorlesen, daran Ihr gerade genug haben werdet. Ich habe mir nämlich so ziemlich das Interessanteste für Euch, und namentlich für mich, notirt. Damit ich aber nicht nöthig hätte, in den Geruch eines Literarhistorikers ohne Diplom zu gerathen, so habe ich es gemacht, wie jene Aerzte, welche Gleiches mit Gleichem heilen, und mich einer Art poetischer Homöopathie beflissen, die Eure Genehmigung erhalten wird. Daß allerlei Krankheit vorhanden ist, werden Ewr. Weisheit trotz aller Ihrer kostbaren Bemühungen um die deutsche Poesie nicht läugnen wollen; ich bedauere dabei nur, daß Ihr einen so tollen und unschmiegsamen Abgesandten gewählt habt.

Apollo: Da Du keine ernsthafte Bestie bist, wie irgend ein Mensch von seinen Mitmenschen sagt, sondern Einer der Unsterblichen, denen – wenigstens zu Homers guten Zeiten – der Humor Lebens-Quell und Würze war, so hoffe ich von Dir, wirst du mir's zu Dank und Vergnügen gemacht haben, den Menschen aber zur Erbauung.

Momus: Ihr könntet auch noch Mehreres lernen, Edelster. Daher habe ich zugleich meine Arbeit Ewr. Fassungskraft angemessen und nur für Solche ungenießbar gemacht, welche den weltberühmten Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen, statt mit fröhlichem Antlitz, mit Priestermiene thun. Jene, wozu Ihr gehört, haben wohl so viel Herzensgüte im Leib, daß sie auch die Züchtigung durch edle Ironie als Mittel der Verständigung gebrauchen; diese aber werden, wie immer, den Ernst für Scherz und die Ironie für Ernst, den Humor selbst aber übel nehmen.

Apollo: Du sprichst beinahe so gut, als ich selbst, höre deswegen sogleich auf, und lies mir vor!

Momus: Ich habe ein halbsatyrisches Büchlein niedergeschrieben, welches Ihr wohl später, als Begründer und Erhalter der Poetik, gleichsam wie Traktätlein unter die Menge bringen könnt:
Ihr müßtet nur noch einen passenden Commentar (etwa zur Strafe) durch irgend einen Witzbold dazu fertigen lassen, welcher Letztere das Werkchen mehr erläutert, als belobt, und besonders zeigt, daß ich sogar mich bestrebt habe, Alles noch schöner zu machen; daß ich nicht leichtsinnig zu Werke gegangen, daß ich nur das Charakteristische hervorgesucht, daß ich das Geschmackvolle glücklich vermieden habe.

Apollo: Ich werde höchst ungeduldig über dein Gerede.

Momus: Sogleich! Aber vergesset nicht, daß das Gesuchteste in meinem Schriftchen gerade oft das Ungesuchteste ist, das ich oft gerade vorgefunden und weise angebracht habe. Auch habe ich Unwissenheit nicht vertuscht, Koketterie nach Kräften getrieben, und war selten im Fall, zum nachdrücklicheren Verständniß der Verkehrtheiten karrikiren zu müssen.
Verzeiht also, wenn die Wahrheit Euch zuweilen nicht ergötzen sollte, ich habe jedoch immer versucht, widrige Farben durch komisches Licht erträglich zu machen. Seid versichert, ich bin so redlich als möglich gewesen, und hoffe also, Euch einen respektabeln Dienst geleistet zu haben. – Die tüchtigen Schriftsteller werde ich dann ein andermal im Original vorlesen; Thoren, Pfuscher und derlei Wichte jetzt nur berühren, insoweit sie leider Ohren gefunden haben (sie selbst haben keine, oder ungehörige). Namen nennen sie auch nicht, oder nicht mehr, denn sie haben die ihrigen allmälig verloren. Ich gebe Euch darum Manieren, die sich selbst bezeichnen, somit auch Ewr. Bequemlichkeit nicht beunruhigen. Leider bemerke ich nur noch, daß ich sogar das Genie nicht schlafen ließ, wo es sich mit dem berühmten »quandoque« brüsten wollte, aber ich versichere Euch zugleich, daß ich dies thun zu müssen äußerst selten in die empfindliche Lage gekommen bin.

Apollo: So lies einmal schnell so etwas Lyrisches, damit nimmt es Niemand genau, und ich bin gutmüthig aufgelegt. Lasse mir aber alle Glossen weg, ich weiß doch Alles zum Voraus.

Momus: Es gibt aber Dinge zwischen Himmel und Erde, dem eigentlichen Bereich der Lyrik, von denen sich Euer Scharfsinn noch wenig träumen ließ.

Apollo: Kein Wunder, wenn es nichts Klassisches ist.

Momus:

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