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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Erster Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Erster Theil - Kapitel 90
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Erster Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeZweiter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Bittschrift der verwittweten Erzherzogin Austria an ihren neuen Gebieter Leopold II.

Sei mir willkommen, theuerster
Gebieter, Gatte, Freund und Herr!
Mit kindlichem Vertrauen
Harrt eine neue Gattin dein,
Um künftighin auf dich allein
Ihr Glück und Heil zu bauen.

Du, den die Vorsicht mir erkor
Zum Herrscher, öffne Herz und Ohr
Anjetzo meinen Bitten:
Ich habe viel durch Mißgeschick,
Durch Mißverstand und Feindes Tück'
In kurzer Zeit gelitten.

Das Hemd ist zwar, wer Wirthschaft kennt
Und sie versteht, das Fundament
Von jeder Garderobe;
Drum zog man mir vor kurzer Frist
(Weil's Hemdewechseln Mode ist)
Ein neues an zur Probe.

Doch ist dies neue Unterkleid
Mir hier zu eng und da zu weit,
Und will am Leib nicht passen:
Es? halten weder Naht noch Stich,
Und allerorten, ach, muß ich
Es jetzt schon flicken lassen.

Mein Hauptschmuck, der so prächtig stand,
Die kaiserliche Kron' entschwand
Mit meines Gatten Leben:
Dies Kleinod, ob es gleich ansetzt,
Ein Fürstenhaupt mehr ziert als schützt,
Kannst du mir wiedergeben.

Allein der allerschönste Schmuck,
Den jemals eine Fürstin trug,
Ist der von Laudons Händen
Mir neugewundne Lorbeerkranz:
O laß zu meines Hauptes Glanz
Nur diesen mir vollenden!

Mein Zobelmantel, welcher groß
Und weit um meine Schultern floß,
Hing fest an einer Spange
Und sieh, die feste Spange bricht,
Zwar fällt darum der Mantel nicht
Und decket mich noch lange;

Doch konntest du (wenn jetzo nicht
Mein Mund vielleicht zur Unzeit spricht)
Mir füglich noch daneben
Zum Wechsel für die Jahreszeit,
Ein neues zweites Mantelkleid
Von Gros de Naples geben.

Der Schmuck, der in mein fliegend Haar
Mir rückwärts eingeflochten war
Mit Gold- und Silberbändern,
Bestand aus Steinen, groß und ächt,
Nur die Façon war alt und schlecht,
Drum wollte man sie ändern.

Zwar Ungemach und Mißverstand
Bestimmten meines Gatten Hand,
Ihn, wie er war, zu lassen:
Doch theilen selbst die Herr'n, die mir
Den Schmuck einst gaben, gern mit dir
Die Müh', ihn umzufassen.

Und meine Brüßler-Schürze hat
Man mir durch schimpflichen Verrath
Gar von dem Leib gerissen
Bis auf ein kleines Doppelband,
Daran wirst Du mit kluger Hand
Sie wieder knüpfen müssen.

Drum nimm, o edler, theurer Mann,
Dich einer armen Gattin an,
Die dir entgegeneilet,
Und willig all' ihr Hab' und Gut
Ja, thut es Noth, ihr Herzensblut
Mit dir, Geliebter, theilet.

*

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