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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Erster Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Erster Theil - Kapitel 75
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Erster Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeZweiter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Mein System.

Nach dem Französischen des Verfassers der Rhapsodien.

In meines Lebens Flitterjahren
Bestürmt' ich Paphos Heiligthum,
Doch kaum, als die vorüber waren,
Da winkten Ehre mir und Ruhm.

Ich griff zugleich nach Schwert und Leier;
Allein die Musen gaben mir,
Wie manchem ihrer lauen Freier,
Den Korb, und wiesen mir die Thür.

Ich baute nur aus Mavors Gnade,
Auch lud er mich gefällig ein,
Ich hoffte auf dem großen Rade
Fortunens glücklicher zu sein.

Von einem Ordensband umwunden,
Träumt' ich den schönsten Lorbeerstrauß,
Schnell war dies Lustphantom verschwunden,
Ein jäher Friede blies es aus.

Nun bot ich der Vernunft die Ehre
Von meiner späten Huldigung:
Ein Vierziger, so dacht' ich, wäre
Nun wohl für sie nicht mehr zu jung.

Allein, sie fand es noch gefährlich,
Und stellte sich, o Nilis, dar
In deinem Bilde, weil sonst schwerlich
Der Flüchtling fest zu halten war.

O ja, sie brauchte nicht vergebens
Dich, Zauberin, zu ihrer List,
Die bald die Freude meines Lebens,
Bald meiner Launen Geißel ist.

Genüglich, wenn jetzt mit Vergnügen
Mir der Geschmack die Tafel würzt,
Zufried'ner als bei Nektarzügen;
Wenn mir ein Freund die Zeit verkürzt;

Gleich fertig, meinen Arm zu heben,
Wenn Joseph mich zu Schlachten zieht,
Als willig, mir allein zu leben,
Wenn mich sein Wahlblick übersieht,

Will ich ihn Sieg auf Sieg mit Freuden
Um seine Schläfe winden seh'n,
Und nur die Glücklichen beneiden,
Die ihm dabei zur Seite steh'n.

Wenn And're ihren Kriegsruhm lieber
Auf faule Zeitungslügen bau'n,
Als ihren Feinden gegenüber
Dem Tode selbst ins Auge schau'n;

Will ich der großen Männer Schatten
Beneiden um ihr Heldenthum,
Und nur nach ihren großen Thaten
Mich sehnen, nicht nach ihrem Ruhm.

Und wenn dereinst mit milderm Bilde
Das Schicksal nieder auf mich sieht,
Dann nehm' ich halb von meinem Glücke,
Und halb theil' ich es Andern mit.

Belehrt vom Werth des Glücks hienieden
Durch eig'ne Widerwärtigkeit,
Leb' ich mit meinem Loos zufrieden
In gold'ner Mittelmäßigkeit.

Wenn so ein Leben ohne Plage
Dann Nilis Werth zu leben hält,
O dann sind meine Greisentage
Mit Jugendschimmer noch erhellt.

*

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