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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Erster Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Erster Theil - Kapitel 32
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Erster Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeZweiter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Lied eines Landmanns über den Fluch:
Im Schweiß seines Angesichts sein Brod zu essen.

Bei meinem Eid! mir schmecket nichts,
Als was im Schweiß des Angesichts
Ich selbst gepflanzet habe:
Zwar ißt sich auch der Reiche satt;
Allein das Brod heißt in der Stadt
Gar selten Gottes Gabe.

Drum schlägt es auch dem reichen Mann
Daselbst so wunderselten an;
Er mag sein Mahl mir preisen,
Ich dank'. Er sitzt dabei, und flucht
Der Unverdaulichkeit, und sucht
Den Hunger in den Speisen.

Der Narr! er wird ihn nimmermehr,
Und sucht er ihn auch noch so sehr,
In seiner Schüssel finden;
Und seufzt er denn nach Appetit,
So komm' er her und helfe mit
Im Feld die Garben binden.

Und so das nicht den Ekel bannt,
So nehm' er noch die Axt zur Hand,
Und haue mit uns Buchen,
D'rauf setzt er sich zum Milchtopf hin,
Und trau'n! es wird der Hunger ihn,
Nicht er den Hunger suchen.

Und nach gestilltem Appetit
Da braucht es wohl kein Wiegenlied,
Den Herrn auch einzuwiegen:
Es wird sich dann auf hartem Brett
Viel besser als im Himmelbett
Auf weichen Flaumen liegen.

Weiß Gott, was all' für Weh' und Leid
Im Magen und im Eingeweid'
Die Müßiggänger klagen:
Nur zu Mittags- und Abendszeit,
Wenn er nach Trank und Speise schreit,
Empfind' ich meinen Magen.

Die Arbeit ist zu jeder Zeit
Zu Appetit und Munterkeit
Der ächte Wunderschlüssel;
So voll auch Topf und Teller ist,
Ich leere sie, kein Esel frißt
Mit mir aus meiner Schüssel.

Die Bäume, die ich pflanze, sind
So lieb mir, als mein eigen Kind,
Und so sie Frucht ansetzen,
So führ' ich meine Buben hin,
Und lasse sie mit frohem Sinn
Daran die Gaumen letzen.

Und so sie dann mit frohem Muth
Mir zuschrei'n: Vater, das ist gut!
So sag' ich ihnen: Sehet,
So ist die Frucht der Arbeit hold!
Doch Kinder, wenn ihr ernten wollt,
So gehet hin, und säet!

Mein Gärtchen ist beständig voll,
Ich darf mit Geld um Kraut und Kohl
Nicht erst zu Markte laufen:
Mein Zugemüß schmeckt doppelt süß;
O wüßten große Herren dies,
Sie würden es nicht kaufen.

Mein Kapital ist Arbeit bloß,
Das leg' ich in der Erde Schoos
Auf hohe Zinsen nieder;
Und diese gibt mir allemal
Die Zinsen sammt dem Kapital
Wohl hundertfältig wieder.

Und fühl' ich oft der Arbeit Druck,
Und will vom schwergehalt'nen Pflug
Die matte Hand mir sinken,
So denk' ich meiner Mühe Lohn,
Und seh' voraus im Geiste schon
Die vollen Aehren winken.

Ich bin vergnügt, und tauschte nicht,
Was auch davon die Bibel spricht,
Mit Adams Paradiese:
Er wußte nicht, was Arbeit war,
Und lag das liebe lange Jahr
Auf seiner grünen Wiese.

Und war ihm, wenn er müßig lag,
Wie mir an einem Feiertag,
So hab' ich nichts dagegen,
Und denke mir: du lieber Gott!
Mit deinem Fluch hat's keine Noth,
Mir ist er lauter Segen!

*

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