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Gutenberg > Aloys Blumauer >

Gedichte. Erster Theil

Aloys Blumauer: Gedichte. Erster Theil - Kapitel 10
Quellenangabe
typepoem
authorAloys Blumauer
titleGedichte. Erster Theil
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung
seriesAloys Blumauer's gesammelte Schriften
volumeZweiter Theil
year1871
illustratorTh. Hosemann
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130902
projectida98e096f
wgs9151
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Auf den Hochw. Großm. von B*n.

Als die Symbol zur w. E. dessen Geburtsfest den 26. December 1784 feierte.

In jener alten gold'nen Ritterzeit,
Wo jede That der Edeln lauter's Gold,
Gediegen jedes Wort, und wie im Feu'r
Geprüft der Ritter Brudertreue war,
Da lebt' ein edler Ritter, groß an Geist,
Doch größer noch an Herz; sein Wandel war
Gerade wie sein Speer, und seine Redlichkeit
So fest und undurchdringlich wie sein Schild.
Der Ritter ohne Tadel war und hieß
Er überall, und dieser Name galt
Ihm mehr, als der, den ihm, von Ahnen schwer,
Sein Vater hinterließ. Wohin er zog,
Da schwand des Armen Noth, da wandelte
Sich der gedrückten Unschuld Thränenblick
In Lächeln um, und wo er wegzog, scholl
Der Wittwen und der Waisen Dank ihm nach.
Nie sah man alle Rittertugenden
In einem schönern Bund, und wer ihn sah,
Der zweifelt', ob der Ritterorden ihn
Mehr ehre, oder er die Ritterschaft.
Der Name dieses Ritters, ob er gleich
Das, was er Gutes that, so wenig als
Die Rüstung, die er trug, ins Auge schimmern ließ,
Verbreitete sich bald von Ost bis West,
Und zog der Edeln und der Großen viel
Aus allen Landen her zu diesem Mann,
Um unter ihm zu lernen Ritterdienst,
Zu üben jede schwere Ritterpflicht,
Und fänd' er sie bewährt – von seiner Hand
Den Ritterschlag zum Lohne zu empfah'n,
Der Ritterzug war einer Wallfahrt gleich!
Man wallte hin um seinen Ritterschlag
Wie in's gelobte Land, und mancher Fürst,
Der um zwölf Stufen – freilich nur von Holz –
Sonst höher war als and're Sterbliche,
Der kniete willig vor den Ritter hin,
Und fühlt' es in dem Augenblicke tief,
Daß, trotz dem Fußgestell von Holz, der Mann,
Vor dem er aus den Knieen lag, um mehr
Als einen Kopf doch größer sei, als er.
So sammelten der edlen Ritter viel
Sich um ihn her, ein auserles'ner Kreis
Von edlen Kämpfern für der Menschheit Wohl,
Groß an sich selbst, doch größer noch durch ihn:
Und so entstand der schönste Ritterbund,
So schön als Artus selber keinen sah,
Ein Bund, um den ihr unauflösbar Band
Die Liebe schlang, nicht lösbar selbst dem Tod.
Denn als der edle große Ritter einst
Im letzten Kampfe für sein Vaterland
Zwar siegte; aber auf dem Kampfplatz blieb,
Und dann der Feind im Fliehen noch des Leibs
Des Ritters, den er auch in Ehren hielt,
Als eines Kleinods sich bemächtigte,
Da gingen seine Waffenbrüder all'
Zum Feind hinüber als Gefangene,
Und lösten mit des Lebens Freiheit nun
Den Leichnam ihres todten Führers aus. –
So lebt' und handelte der große Mann:
So liebten seine Waffenbrüder ihn.
Lang segnete die Nachwelt noch den Bund
Der Edeln, den er schuf, und wer noch jetzt
Sich einen ächten Ritter denkt – denkt ihn.

Seht, Brüder! hier das Bild von unserm Bund.
Er, der die Meisten hier in unserm Kreis
Zu Rittern schlug, er ist uns allen das,
Was Bayard seinen Rittern war, und mehr.
Er ist's, nach dessen Beispiel jeglicher
Aus uns die Wahrheit, die allein der Weise liebt,
Zur Dame seines Herzens sich erkohr,
An dessen Hand wir manches Abenteu'r
Mit Ungeheuern mancher Art besteh'n.
Er ist's, der uns die bösen Drachen all',
Die an dem Thor der eingekerkerten
Und festverschloss'nen Wahrheit Feuer spei'n,
Bezwingen, und die Schöne, die zum Raub
Des Stärkern ward, ihm abzukämpfen lehrt.
Er ist's, durch den der Riese Vorurtheil –
Und käm' er auch im ält'sten Ritterschmuck
Auf uns herangerannt – nicht schreckt; denn er,
Er lehrte uns, wie man in Schimpf und Ernst
Mit Ehren für die Wahrheit Lanzen bricht.
Er ist's, der uns zum Dienst der Menschheit nur
Zu Rittern schlug, doch nicht zu irrenden
Die Donquichotisch auf gerathewohl
Nach Abenteuern zieh'n, und an Gespenstern bald
Zu Rittern werden, bald am gold'nen Vließ.

Drum auf, ihr Brüder! segnet dankbarlich
Mit mir den Tag, der diesen seltenen Mann
Der Welt, der Menschheit diesen warmen Freund,
Und uns den theuern, großen Meister gab!

*

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