Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Johann Gabriel Seidl: Gedichte - Kapitel 67
Quellenangabe
titleGedichte
booktitleAusgewählte Werke in vier Bänden - Zweiter Band
authorJohann Gabriel Seidl
editorDr. Wolfgang von Wurzbach
yearca. 1905
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
created20061215
sendergerd.bouillon
typepoem
modified20170929
Schließen

Navigation:

Vorsatz

          So oft der Lenz zurückgekommen
Mit Blütenduft und Sonnenschein,
Hab' ich mir immer vorgenommen,
Recht munter und recht froh zu sein.

»Du wußtest nie den Lenz zu schätzen« –
So warf ich jedesmal mir vor, –
»Doch diesmal will ich's ihm ersetzen,
Einbringen, was ich je verlor.

Und alle Berge, die da stehen
Im grünen, saft'gen Frühlingsgrün,
Sie sollen mich als Pilger sehen
Nach ihren goldnen Gipfeln ziehn.

Und alle Wiesen, die, bedecket
Von junger Halme Schmelz sich blähn,
Sie sollen mich dahingestrecket
Auf ihren samtnen Teppich sehn.

Und alle Quellen, die da rauschen,
Wie Lob des Mais aus Bergesbrust,
Sie sollen flüsternd mich belauschen
In meiner stillen Lebenslust.

Und alle Vögel, unverdrossen,
Die ihren Wettgesang erneun,
Sie sollen sich des Liedsgenossen,
Der's ihnen nachtun will, erfreun!«

Das hab' ich stets mir vorgenommen,
Ergriffen tief und wundersam,
Eh' noch der Lenz zurückgekommen,
Es kaum erwartend, bis er kam.

Und wenn er kam, die Berge glühten,
Die Vögel sangen um und um,
Die Quelle rann, die Wiesen blühten,
So saß ich in der Kammer stumm.

Und Stunden wechselten mit Stunden,
Die Wiesen wurden blumenarm,
Der liebe Lenz war längst entschwunden, –
Ich sah ihm nach mit stillem Harm.

 


 

 << Kapitel 66  Kapitel 68 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.