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Johann Gabriel Seidl: Gedichte - Kapitel 64
Quellenangabe
titleGedichte
booktitleAusgewählte Werke in vier Bänden - Zweiter Band
authorJohann Gabriel Seidl
editorDr. Wolfgang von Wurzbach
yearca. 1905
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
created20061215
sendergerd.bouillon
typepoem
modified20170929
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Schmiedlied

        Wenn wir am frühen Morgen
Schon hämmern drauf und dran,
So schläft noch ohne Sorgen
Das Liebchen nebenan.
Da bringt man ihm im Liede
Den Morgengruß nach Brauch:
Und pocht es in der Schmiede,
So pocht's im Herzen auch!

Ein Handwerk ohne Liebe
Das wär' ein traurig Sein,
Wenn so kein Bild uns bliebe,
Das winkt mit goldnem Schein.
Es lindert die Beschwerde
Mit sanftem Friedenshauch:
Und brennt es auf dem Herde,
So brennt's im Herzen auch!

Nicht immer bleibt es heiter,
Oft wird der Himmel trüb,
Wir hämmern fröhlich weiter,
Weil uns die Hoffnung blieb.
Denn dünkt uns gleich die Kammer
Recht traurig manchen Tag,
So übertäubt der Hammer
Des Herzens bangen Schlag!

Drum soll die Liebe leben
Seid frisch und froh zur Hand;
Nur Fleiß und Frohsinn weben
Des Glückes dauernd Band.
Weil noch die Wange blühet,
Führt schnell die Meistrin ein;
Solang' das Eisen glühet,
Will's auch geschmiedet sein!

 


 

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