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Johann Gabriel Seidl: Gedichte - Kapitel 62
Quellenangabe
titleGedichte
booktitleAusgewählte Werke in vier Bänden - Zweiter Band
authorJohann Gabriel Seidl
editorDr. Wolfgang von Wurzbach
yearca. 1905
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
created20061215
sendergerd.bouillon
typepoem
modified20170929
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Optische Täuschung

        Wer von der Erde fester Scholle
Den Blick gen Himmel schweifen läßt,
Der meint, die Sonnenscheibe rolle;
Allein die Sonne stehet fest.

Und wer von seines Schiffes Borden
Die Ufer mißt mit starrem Blick,
Der wähnt, sie seien flott geworden,
Und fliegen hinter ihm zurück.

Was aber rollt, das ist die Erde,
Und was hinabfliegt, ist das Schiff.
Wir trügen uns, am schwanken Herde,
Nur selbst mit täuschendem Begriff.

So sieht der Mensch im Lebenskahne
Das scheinbar Wandelnde sich an,
Zu stolz und blöd, als daß er ahne,
Was wandelt, sei nur er im Kahn.

Wie viele Tiber-Helden fielen?
Die gelbe Tiber fließt ja noch;
Wo ist der Mann der Thermopylen?
Die Thermopylen stehen doch!

Kaum wird ein einzig Sternchen trüber,
Indes ein ganzes Volk zerfällt:
Die Welt nicht geht an uns vorüber,
Wir gehn vorüber an der Welt!

 


 

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