Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Johann Gabriel Seidl: Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
titleGedichte
booktitleAusgewählte Werke in vier Bänden - Zweiter Band
authorJohann Gabriel Seidl
editorDr. Wolfgang von Wurzbach
yearca. 1905
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
created20061215
sendergerd.bouillon
typepoem
modified20170929
Schließen

Navigation:

Die große Beterin

        Wer betet denn in deinem Haus,
Daß du so still, o Nacht,
Und dich vor jedem Lärm und Braus
So sorglich hast bewacht?
Man hört ja kaum des Schlafes Fuß
Von Haus zu Hause gehn
Und ihn durchs Fenster seinen Gruß
In Saal und Stube wehn.

Die Ruhe wandelt feierlich
Die Straßen kreuz und quer,
Und wiegt auf stummen Lüftchen sich
Geräuschlos hin und her.
Ja, ja, – man sage, was man will, –
Es betet wer im Frein,
Sonst hieltst du ja nicht gar so still,
O Nacht, den Atem ein!

Und seh' ich recht, so seh' ich auch
Die große Beterin,
Die ihres Herzens reinsten Hauch
Schickt zu den Sternen hin;
Ein unermeßlich Faltenkleid
Umwogt sie silbergrau,
Und küßt in milder Herrlichkeit
Der Glieder Riesenbau.

Die Mutterarme streckt sie aus
In himmelweitem Kreis,
Und füllt der Nacht geheiligt Haus
Mit ihrem stummen Preis.
Ei, Beterin, verbirg dich nur,
Mich machst du nicht zum Spott;
Du bist – ich kenne dich – Natur,
Und dein Gebet ist – Gott!

 


 

 << Kapitel 10  Kapitel 12 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.