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Johann Gabriel Seidl: Gedichte - Kapitel 104
Quellenangabe
titleGedichte
booktitleAusgewählte Werke in vier Bänden - Zweiter Band
authorJohann Gabriel Seidl
editorDr. Wolfgang von Wurzbach
yearca. 1905
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
created20061215
sendergerd.bouillon
typepoem
modified20170929
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Santa-Clara

Übersetzung eines französischen Volksliedes aus dem Baskischen

       

Auf Schloß Ataraz die Glocken
Schlagen dumpf von selbst zusammen:
Denn die junge Santa-Clara
Soll des Morgens ziehn von dannen.
Groß und klein ist tief in Trauer:
Santa-Clara zieht von dannen.
Ihr Felleisen wird versilbert,
Und vergoldet wird ihr Sattel.

»Weh! wie eine Kuh dem Spanien,
Hast du, Vater, mich verhandelt!
Wäre meine gute Mutter
Noch, wie du, am Leben, Vater,
Nimmer, nimmer so wie jetzo
Müßt' ich fort nach Spanien wandern;
Auf Schloß Ataraz hier leben
Würd' ich in der Ehe Banden!«

Auf Schloß Ataraz in Blüte
Zwei Orangenbäume standen.
Viele waren, die da trugen
Nach den blühenden Verlangen.
Aber allen, die da trugen
Nach den blühenden Verlangen,
Ward zur Antwort, noch zum Pflücken
Seien reif nicht die Orangen.

»Nun, so sei es denn geschieden,
Vater, laßt mit Gott uns wandern!
Doch mit Tränen in den Augen,
Und im Herzen traurig Bangen,
Werdet ihr zurückekehren,
Werdet oft den Blick, voll Grames,
Rück ihr wenden nach der Stelle,
Wo die Tochter ruht im Grabe!«

Ȇber langgestreckte Berge
Trug mein Saumtier mich im Trabe,
An dem Fuße Orissou
War ich nüchtern angelangt.
Als ich jenseits angekommen,
Fand ich einen schönen Apfel,
Und ich aß ihn, und nun hat er
Ganz das Herz mir umgewandelt!«

»Geh im dritten Stockwerk oben
Meine Schwester in die Kammer,
Geh zu spähn, ob Equa wehe,
Oder ob Ipara blase.
Bläst Ipara, dann für Sala
Gib ihm Grüße, viele, warme;
Wehet Equa, heiß ihn kommen,
Meinen Leichnam zu empfangen!«

»Jetzo, Schwester, liebe Schwester,
Geh und hol aus meiner Kammer
Mir mein Kleid hervor, das weiße;
Geh und hol aus deiner Kammer
Dir dein Kleid hervor, das schwarze!«
Und die Schwester geht voll Bangen,
Holt das weiße für die Schwester,
Holet für sich selbst das schwarze.

Santa-Clara steigt aufs Fenster,
Um zu spähn, ob Sala nahe.
Und sie sieht von fern ihn kommen,
Stürzt vom Fenster sich zu Tale.
Unten liegt sie, eine Leiche; –
Niemand konnt' hinweg sie tragen.
Sala kam, – nur er vermocht' es,
Ihre Leich' hinwegzutragen!

 


 

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