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Christian Schubart: Gedichte - Kapitel 38
Quellenangabe
titleGedichte
authorChristian Friedrich Daniel Schubart
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020622
modified20170929
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Todesgedanken im Frühling

          Welche Stimme schallet
Vom Gebirg und wallet
Um mein lauschend Ohr;
Welche Silbertöne
Rufen: »meine Schöne
Auf! und tritt hervor.«
Schaue nur,
Wie die Natur
Sich in ihrer Pracht erhebet
Und auf's neue lebet.

Schnee und Regengüsse
Sind dahin. Die Flüsse
Wandeln ihren Lauf
Komm aus deiner Hütte,
Unter deinem Schritte
Sprossen Blumen auf.
Komm und schau
Den Morgenthau
Tausend goldne Sonnenstrahlen
Auf die Veilchen malen.

Balsamreiche Düfte
Schwimmen durch die Lüfte;
Denn der Weinstock blüht
Hör! die Turteltaube
Girrt aus jener Laube
Dir ein Frühlingslied.
Auf! der Mal
Flieht sonst vorbei.
Sieh, die Feigenbäume zeigen
Knoten an den Zweigen.

Meiner Jugend Leiter,
Freund, o rede weiter;
Denn ich höre gern.
Doch die Stimme schweiget
Und der Fühling zeiget
Spuren seines Herrn.
Wo Er war,
Seh' ich ein paar
Junge Frühlingsrosen blühen,
Die wie Sterne glühen.

Aus dem Erdenschooße
Schallt von jeder Rose
Gottes Ruhm hinauf.
Kleine Sänger schlüpfen
In den Busch und hüpfen
Jubilrend auf. –
Wo die Pracht
Des Frühlings lacht,
Auf dem Schauplatz von Vergnügen
Sollen Todte liegen?

Grabgedanken, härter,
Schneidender als Schwerter
Fahrt ihr durch mein Herz.
Arme Frühlingsscenen,
Hemmt ihr meine Thränen,
Stillt ihr meinen Schmerz?
Nur das Wort
Ist schon ein Mord:
Unter jenem grünen Haine
Liegen Todtenbeine.

Alles um mich lebet,
Jener Baum erhebet
Schön sein Blüthenhaupt.
Aber seine Kräfte
Und sein Schmuck sind Säfte,
Die er Menschen raubt.
Blume hier, ,
Wer konnte dir
Die Tyrannenfreiheit schenken,
Menschenblut zu trinken?

Gott hat's ihr gegeben,
Und die Bäum' erheben
Auf sein Wort ihr Haupt.
Einst nach diesem Leben
Müssen sie uns geben,
Was sie uns geraubt.
Sterb' auch ich,
Dann heben sich
Ueber meiner todten Hülle
Blumen auch in frischer Fülle.

Komm du junge Schöne,
Meine Todestöne
Wallen sanft dir zu.
Schau, im Frühlingswetter
Fallen Rosenblätter
Und so fällst auch du.
Brich sie ab,
Auf jenem Grab
Stehen sonnenrothe Nelken,
Die wie du verwelken.

Seht nun auf ihr Blicke,
Dahin, wo mein Glücke
Aus den Wolken lacht.
Dort auf jenem Sterne
Wohn' ich einst und lerne
Schöpfer, deine Macht.
Seele auf!
Zu Gott hinauf!
Dort wird es in jeden Kreisen
Ewig Frühling heißen.

 


 

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