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Christian Schubart: Gedichte - Kapitel 31
Quellenangabe
titleGedichte
authorChristian Friedrich Daniel Schubart
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020622
modified20170929
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Preisgesang im Kerker

        Preis dir, Unendlicher!
Es steigt im Jubelliede
Mein Geist zu dir empor,
Und freut sich deiner Güte.
Verstummt ihr Klagen! Preis
Und Dank sey meine Pflicht;
Entweiht den Lobgesang,
Ihr meine Fesseln nicht!

Preis dir, Unendlicher!
Noch fristest du mein Leben;
Du hast im Leiden mir
Gelassenheit gegeben:
Und wenn ich, Einsamer,
Vom Staub zu dir gefleht,
So hörtest du, ich fühlt's,
Du hörtest mein Gebet.

Preis dir, Unendlicher!
Du hast mich angenommen;
Ich, Sünder, darf als Kind
Zu dir, dem Vater, kommen.
Nun ist der Sünden Last
Mir nicht mehr fürchterlich;
Der alle Welt vertritt,
Dein Sohn vertritt auch mich.

Preis dir, Unendlicher!
Für deine weise Führung
Für jeden Trost von dir;
Für jede Seelenrührung;
Für jeden Geistesschau'r,
Wann ich, der Welt entrückt,
Oft einen lichten Strahl
Der Ewigkeit erblickt.

Preis dir, Unendlicher!
Für Nahrung, Schlaf und Hülle;
Selbst für der Einsamkeit
Oft fürchterliche Stille:
Für jeden Sonnenstrahl
In meines Kerkers Nacht;
Für jede Thräne, die
Dein Herzen Luft gemacht.

Preis dir, Unendlicher!
Nicht immer will ich weinen,
Noch sorgst du ja für mich,
Noch nimmst du dich der Meinen,
Ach! der Verlassenen,
Mit Vatertreue an;
Preis dir! Denn Wunder hast
Du Gott an mir gethan.

Preis dir, Unendlicher!
Du lehrst, du lehrst mich kämpfen;
Die Sehnsucht nach der Welt,
Und ihren Lüsten dämpfen:
Und wenn ich Staubgeschöpf
Auch nimmer kämpfen kann,
So zieht dein Engel mich
Mit Himmelsrüstung an.

Preis dir, Unendlicher!
Dank dir mit Freudenzähren,
Du lehrst mich jedes Glück
Der Eitelkeit entbehren.
Schwebt auch die Einsamkeit
Oft schrecklich über mir,
So spricht dein Geist: Getrost!
Der Vater ist bei dir.

Preis dir, Unendlicher!
Dank steig aus meinem Kerker;
Er schwächt nur meinen Leib,
Und macht die Seele stärker.
Nicht Geißelschläge sinds,
Die mir der Richter giebt;
Heilsame Ahndung ist's
Des Vaters, der mich liebt.

Preis dir, Unendlicher!
Dein Wille soll geschehen!
Soll ich hinab ins Grab
Durch diesen Kerker gehen,
So singt dir noch mein Geist,
Dicht an des Grabes Nacht:
Preis dir, Unendlicher!
Du hast es wohl gemacht!

 


 

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