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Christian Schubart: Gedichte - Kapitel 11
Quellenangabe
titleGedichte
authorChristian Friedrich Daniel Schubart
typepoem
sendererich.adler@abc.de
created20020622
modified20170929
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Ermunterung

        Auf, mein Geist, in freie Luft
Aus dem Angstgedränge!
Diese dunkle Todtengruft
Ist dir viel zu enge!
Du bist frei!
Sklaverei,
Kerker, Zwang und Bande
Sind des Geistes Schande.

Eines Christen Geist durchdringt
Dicke Felsenquader;
Fessellos und leicht geschwingt
Hebt er sich zum Vater.
Gottes Hauch
Bist du auch!
Soll Jehovah's Hauchen
Hier in Angst verrauchen?

Sieh das blaue Sternenfeld
Wogigt um dich fliessen;
Sieh den Mond, und sieh die Welt
Unter deinen Füßen.
Sieh das Licht!
Funkeln nicht
Deines Gottes Wunder
Ueberall herunter?

Sieh die ungeheure Zahl:
Thiere, Seelen, Geister
Stehn, und preisen überall
Ihren Gott und Meister.
Staub und Stern
Singt dem Herrn;
Seele kannst du schweigen
Unter so viel Zeugen?

Schwache Seele, willst du nur
Mit dem Schöpfer zanken?
Heb dich über die Natur,
Lern für's Elend danken,
Unter Zucht
Wächst die Frucht,
Reift der Geist zu Freuden
Wahrer Seligkeiten.

Siehst du am krystallnen Meer,
Dort die Schaar der Frommen?
Aus der großen Drangsal her
Ist die Schaar gekommen?
O wie preist
Nun ihr Geist
Gott für kurze Plagen,
Die sie hier getragen.

Drum, mein Geist, laß keine Noth
Dich zur Kleinmuth bringen;
Sey nur treu bis in den Tod,
Dann wird dir's gelingen,
Daß du noch
Christi Joch
Sanft und rettend heissest,
Und den Vater preisest.

 


 

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