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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 77
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Wie der Junkherr Ebbelin die Nürnberger foppen tät

            Ich weiß eine Märe, gut und kühn,
    Von keckem Ritterwerk:
Es fingen den Junkherrn Ebbelin
    Die Herren von Nürnberg.

Sie fingen ihn mit Hinterlist,
    Sie schnürten ihm Hand und Fuß:
»Nun haben wir dich, du schlimmer Christ,
    Der Galgen dir werden muß.«

Und jeder Ritter von Wag' und Ell',
    Der machte ein stolz Geschrei,
Und jeder Schuster- und Schneidergesell,
    Der hatte sein Wort dabei.

Fünf Schneider schleppten des Ritters Speer
    Wie Goliaths Weberbaum,
Sie keuchten gewaltig und schwitzten sehr
    Und brachten ihn vorwärts kaum.

Die Sporen ein tapferer Fleischer hob,
    Zwei Schreiner den Helm zugleich,
Und wenn der Helmbusch im Winde stob,
    Da wurden sie blaß und bleich.

Und zwischen Mauer, Graben und Tor,
    Da wollten sie hängen ihn;
Da sprach zu dem mannlichen Bürgerchor
    Der Junkherr Ebbelin:

»Ihr Herrn, nehmt mir das Wort nicht krumm!
    Es sei meine letzte Bitt':
Laßt reiten mich im Zwinger herum
    Meinen allerletzten Ritt.

Rundum ist Schanze, Tor und Schloß;
    Ich kann euch nicht entgehn.
Laßt mich mein Roß, mein tapfres Roß,
    Zum letztenmale sehn.«

Es brachten das Roß Gesellen vier,
    Den Junkherrn banden sie los;
Wie schwang sich auf das schlanke Tier
    Der Degen, kühn und groß!

Und wie er es trieb mit Hieb und Ruf,
    Mit Zunge, Schenkel und Hand,
Da flogen ringsum von des Renners Huf
    Die Männlein in den Sand.

Wild stampfte der Hengst und tanzte keck,
    Zum Graben sprengt' er herum;
Die Herren befiel ein grimmer Schreck,
    Sie standen betäubt und dumm.

Und über Graben, Schanz' und Wall
    Hin sprang er wild und toll,
Indes herüber mit Donnerschall
    Des Ritters Gelächter scholl:

»Eh' zwängt der Maulwurf in sein Loch
    Den Adler stolz beschwingt,
Eh' Krämerwitz und Krämerjoch
    Den Ritternacken zwingt.«

So rief der freudige Rittersmann
    Und wandte den wilden Gaul,
Die Herren sahen einander an
    Und machten ein großes Maul.

Wohl oftmals schon mir's widerfuhr,
    Wenn ich zu sehr getollt,
Daß Philistertum und Philisternatur
    Mich fangen und hängen gewollt.

Da sprang ich auf mein schnelles Roß,
    Aufs Roß der Phantasie,
Sein Huf zerschmetterte Tor und Schloß,
    Die guten fingen mich nie.

Hei, Lumpengesindel, gib mir Platz,
    Hinüber mein Roß, hinaus!
Hei, Schenkeldruck und Sprung und Satz,
    Ade, Philisterhaus!

Eh' zwängt der Maulwurf in sein Loch
    Den Adler, stolz beschwingt,
Eh' Philisterwitz und Philisterjoch
    Den Dichternacken zwingt.

 


 

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