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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 74
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Crillon

                      Herr Louis de la Balbe Crillon,
Ihr kennt den Mann, der niemals floh,
Herr Louis de la Balbe Crillon,
Er hielt die Feste von Bordeaux.

Herr Louis de la Balbe Crillon,
Er lag zu Bett seit kurzer Zeit,
Mit ganzer Seele schlief Crillon,
Der Tag war lang, die Bresche breit!

Von Guise war's, der junge Herr,
Hell schien sein Schwert durchs Dämmerlicht,
Vors Bette stürzt' er mit Geplärr,
Fest schlief Crillon und hörte nicht:

»Ha! Monjoie, wach' auf, Crillon,
Das Tor gesprengt, der Feind im Platz!«
Herr Louis de la Balbe Crillon
War aus dem Bett mit einem Satz.

Im bloßen Hemd, mit nacktem Knie,
Er fragt nicht lang nach Schild und Helm:
»Wo hängt mein Schwert, wo stehen sie?«
Da lachte laut der junge Schelm:

»Das Tor ist fest, kein Feind ist nah,
Sie sagten mir in ganz Paris,
Daß noch kein Mensch dich zittern sah,
Nun glaub' ich's gern, bei Saint Denis!

Mit eignen Augen wollt' ich's schaun;
Vergib du Held, es war ein Scherz!«
Des Ritters Stirn ward dunkelbraun,
Des Herzogs Blick fiel bodenwärts.

Sie standen vor einander da,
Dem Junker war nicht wohl zu Mut;
»Daß mich dein Aug' nicht zittern sah,
Das war dein Glück, du junges Blut!«

 


 

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