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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 67
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Die Jagd des Moguls

        Von dem persischen Pfühl in dem Purpurgezelt
sprang säbelumgürtet der Herr der Welt;
wie die Schlünde der See bei des Nordsturms Nahn,
so ertosten die Tale von Hindostan,
            denn der Mogul ritt zum Jagen.
Und es tanzte der Hengst über knirschenden Sand,
doch schwer hin stampfte der Elefant,
wie ein Wandelgebirg', mit dem Turme geschmückt,
und des Turmes Gebälk war lanzengespickt,
            und sein Dach mit Schilden beschlagen.

Und die Zeltwand fiel, und der Kaiser erschien,
in den Staub hinsanken die Völker um ihn,
tief beugte sein Knie der Elefant,
und der Fürsten Stirne ward wund im Sand,
            und es zitterte Sklave und Rajah.
Doch im schnellenden Satz auf sein perlfarb' Tier
von des Negers Genick sprang Dscheban-Gir,
es erglänzte der Fürst wie des Geri Haupt,
wenn das Donnergewölk tief unten schnaubt,
            in den Schlünden des Himalaja.

Sein geschmeidiger Leib war goldgeschuppt,
und in Scharlachgeweb' der Schenkel verluppt,
all' Sattel und Zaum mit Perlen gezackt,
und der Säbelgriff ein einz'ger Smaragd,
            der Goldhelm reiherbefiedert.
Und der Goldstoff rauschte, die Feder stob,
und der silberbeschlagene Schimmel schnob.
Wie die Schlange, die lange sich stumm geballt,
so rasselte durch den Palmenwald
            der Jagdzug, farbig gegliedert.

Und der Wald ward dicht, und schwarz das Grün,
und prächtig des Palmdachs Baldachin,
durch das Rankengewirr, da kam es gesetzt,
und es schnarchten die Pferde und standen zuletzt,
            den Odem zogen die Krieger.
Und der Fürst hielt vorn, in den Bügel gestemmt;
doch die Zunge heraus und den Schweif geklemmt,
das gelbliche Fell schwarzrot gestreift,
und das gelbliche Aug' blutrot gereift,
            ansprang den Kaiser der Tiger.

Hoch bäumte der Hengst, von der Schaufel gepreßt,
doch es saß das Getier und krallte sich fest,
schwer stöhnte das Roß in des Raubtiers Druck,
und es riß sein Fell von der Pranken Ruck,
            aus den Höhlen quollen die Lichter.
Doch der Kaiser saß fest, das Haupt nach vorn,
seinen seidenen Bart aufsträubte der Zorn.
Wild war der Tiger, und wilder der Chan,
und entsetzlich war's, wie sie an sich sahn
            in die funkensprüh'nden Gesichter.

Hinstürzte der Hengst, und der Tiger mit ihm,
doch der Kaiser lag auf dem Ungetüm,
und sie lagen im greulichen Ringen gesellt,
und die heulende Bestie würgte der Held,
            doch lautlos standen die Krieger.
Es erhob sich kein Arm, und kein Stahl ward bloß;
da rief ein Scheich: »Ich wage den Stoß,
ich wage den Stoß und befreie den Chan!«
Und er zückte den Dolch, da war's getan:
            Er hatte erstochen den Tiger.

Aufkochte der Fürst, wie ein Wirbel der Flut,
seine Nüstern dehnte die schnaubende Wut,
ein flirrendes Rad und ein pfeifender Streich,
und über den Tiger hinsank der Scheich;
            sein Kopf entrollte mit Zucken.
Krumm wurden die Rücken und scheu der Blick,
und locker ward ein jedes Genick.
Und er sprach, und sein Säbel war noch nackt:
»Da wo der Löwe den Tiger packt,
            da soll der Hund sich ducken!«

 


 

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