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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 36
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Nieder, nieder!

          Nieder, nieder, stolzes Herz!
Wie du auch im Sturme flutest,
Wie du ringst und wie du blutest,
    Dennoch mußt du niederwärts!
Sahst du auch nach langen, kühnen
    Zügen durch das wüste Meer,
Sahst du auch das Ufer grünen,
    Du erreichst es doch nicht mehr!

    Nieder, nieder, stolzes Herz!
Hast du früher lindbefeuert
Auf Morganas Kahn gesteuert,
    Dennoch mußt du niederwärts!
Was dein kühnster Traum erdichtet,
    Es erscheint dir sonnenklar;
Doch – das Traumbild ist vernichtet
    Und die Wahrheit unnahbar!

    Nieder, Nieder, stolzes Herz!
Hast du sonst von Mut gelodert,
Kampf geatmet, Kampf gefodert,
    Dennoch mußt du niederwärts!
Deines Himmels eh'rne Mauern
    Sind zu steil für dein Gelüst,
Und du kannst es nur betrauern,
    Daß du noch nicht Asche bist!

    Nieder, Nieder, stolzes Herz!
Feurig wollen, trotzig ringen,
Untergehn und nie vollbringen,
    Ist der alte, große Schmerz! –
Was das Leben nie verziehen,
    Wird im Tode Wort und Klang.
Blute drum in Melodieen,
    Jeder Tropfen ein Gesang!

    Blute, blute, stolzes Herz!
Aus der Brust geheimsten Seeen
Laß den Strom der Liebe wehen,
    Laß ihn brausen, wundes Herz!
Laß ihn rinnen und verrinnen; –
    Eh' er tot im Meere ruht,
Fällt vielleicht von stolzen Zinnen
    Eine Träne in die Flut!

 


 

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