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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 29
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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O wecke nicht den scheuen Stolz!

        O wecke nicht den scheuen Stolz,
    Ihn weckt ein leicht Geräusch,
Er bricht den Liebespfeil im Holz,
    Die Spitze bleibt im Fleisch;
Er geht urplötzlich wie ein Sturm
    Durch den allerschönsten Mai,
Die Liebe krümmt sich wie ein Wurm,
    Der Frühling ist vorbei!

Ich habe dich so sehr geliebt,
    So sehr ein Mann gekonnt,
Dein Aug' hat meine Stirn getrübt,
    Dein Auge sie besonnt.
Vielleicht hat du mich auch geminnt!
    Vielleicht – es ist zu spät!
Die Stunde rinnt, die Wunde rinnt,
    Die Saat ist abgemäht! –

Wie bist du schön! Im Herzen wühlt
    Der abgebrochne Schaft,
Du hast zu gerne Ball gespielt
    Mit mir und meiner Kraft.
Ich bog mein trotzig Knie um dich,
    Du hast dich abgekehrt;
Da lacht' ich wild und stürzte mich
    In meines Stolzes Schwert.

Fahr wohl, ich kann nicht zweimal knien,
    Um alles Heil der Welt!
Dir aber wünsch' ich Maiengrün,
    Wohin dein Auge fällt.
Und wenn es einst in Liebe schmolz
    Für einen bessern Mann,
Du kennst den Stolz, den scheuen Stolz,
    O rühre nie daran!

 


 

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