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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 24
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Ohnmächtige Träume

                  Könnt' ich mein innres Feuer dämpfen
    Mit Strömen von dem eignen Blut,
Könnt' ich dich ritterlich erkämpfen,
    Dann wäre frei und hoch mein Mut.
Wie wollt' ich dann den Nacken heben
    Und rufen stolz und trotziglich:
»Jetzt bist du mein, geliebtes Leben,
    Mein, denn ich blutete für dich!«

Ich schweife durch die öde Halle,
    Dumpf an der Wölbung rauscht mein Tritt;
So steigt herauf, ihr Geister alle,
    Und eure Schwerter bringt euch mit;
Zersprengt die Särge, brecht die Quadern
    Und tretet vor mich wild und stark;
Schon kocht die Schlacht in meinen Adern,
    Und auch in mir ist Streitermark!

Da seid ihr schon, mit wilder Flamme
    Sticht durchs Visier das Auge klar,
Vom goldbekrönten Helmeskamme,
    Da rauscht des Adlers Schwingenpaar;
Es strahlt der Leib in Silberschuppen,
    Vom Sporn zur Schulter geht das Schwert,
Gold prahlt und Scharlach auf den Croupen,
    Die blanke Stange beißt das Pferd.

Schwingt euch hinan, entrollt die Banner,
    Erhebt den Feldruf, stoßt ins Horn!
Ihr Leichtbewehrten, Bogenspanner,
    Schwärmt lustig an der Spitze vorn!
Ballt, Reiterfähnlein, euch zusammen,
    Schließt Schild an Schild und Speer an Speer,
Laßt Panzer dicht an Panzer flammen
    Und sprengt, ein eh'rner Keil, daher!

Darauf und dran! Die Schäfte splittern,
    Dumpf durch das Treffen kracht der Stoß.
Nun zieht das Schwert und laßt's gewittern,
    Und auf die Helme hämmern los!
Hier wälzt sich zuckend Roß und Reiter,
    Hier steigt ein Arm, die Schiene klafft,
Eindringt das Schwert und schlitzt sie weiter
    Und sprudelnd quillt der Lebenssaft.

Hier haut die Axt vom Panzer Späne,
    Hier küßt ein Federbusch den Sand,
Hier sinkt ein Haupt betäubt zur Mähne
    Und von den Zügeln läßt die Hand.
Hier fährt ein Pfeil durch Helmesgitter,
    Hier rasselt kunstrecht Hieb in Hieb,
Hier unterm Hufe stirbt ein Ritter,
    Sein letzter Seufzer ist sein Lieb. –

Ha! Schwerterleuchten! Helmbuschwehen,
    Ha! Kampfesnacht und Siegestag,
Ich darf euch nur im Traume sehn,
    Wie stark ich euch beschwören mag!
Ihr spottet mein, ihr toten Hünen,
    Toll nennt mich die vernünft'ge Welt;
Kein Ritterschlag ist zu verdienen,
    Da, wo zum Ritter schlägt das Geld. –

Du aber, Herrin, lächelst wieder:
    »Ich bin ja dein auch ohne Streit!«
Das eben ist's, das schlägt mich nieder
    Und hebt mich doch zur selben Zeit.
Nichts ist, des ich mich nicht erkühnte,
    Und wär's ein sichrer Tod für mich;
Weil ich dich gerne ganz verdiente,
    Deswegen stürb' ich gern für dich.

 


 

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