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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 22
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Terzinen

1

              Ich war entschlummert einst am Rasenbühle,
    Um mich des Lenzes würz'ges Duftgemische
Und in mir selbst des Lenzes duft'ge Kühle.

Da träumt' ich Liebesträume, zauberische,
    Und Heldenträume, stolz und ungeheuer,
Und Freiheitsträume, mut'ge, jugendfrische.

Doch als verglomm des Morgens Purpurfeuer,
    Da war verstummt das buhlerische Kosen,
Der Winter war genaht, der Flockenstreuer.

Und um mein Haupt im Windeswirbeltosen
    Flog sparsam nur das Schneegelock des Greisen;
Ich war verwelkt, wie Lenz und Baum und Rosen,

Ein matter Nachhall schöner Frühlingsweisen.

2

                    Wenn ich mir so das Tun der Welt betrachte,
    Das fad und geistlos ist und kalt und trocken,
Das ich so ganz aus tiefster Brust verachte,

Und schaue dann auf deine Feenglocken,
    Auf deiner Wangen, deiner Augen Gluten,
Und höre hallen deines Mundes Glocken:

Dann ist die Welt ein Ozean voll Fluten,
    Voll Stürmen mir und bodenlosen Grüften
Und Klippen, dran mein Herz sich will verbluten;

Du aber scheinst ein reines Ätherdüften,
    Das säuselnd hinschwebt durch des Morgens Brüllen,
Das rosenatmend rollt auf Morgenlüften,

Des kranken Dichters schäumend Blut zu stillen.

3

              Wohl stand ich oft im nächtlich stummen Grauen
Dem Glanze deines Fensters gegenüber,
Dich lang und ungesehen anzuschauen.

Es bog die Kerze ihren Strahl herüber,
Um dir, wie ich, ins dunkle Aug' zu funkeln;
Doch plötzlich schien sie lässiger und trüber.

Es mochte wohl der argen Kerze munkeln,
Daß ich zum Nebenbuhler ihr geworden,
Drum fing sie neidisch an sich zu verdunkeln.

Du aber saßest an des Fensters Borden
Und schautest nicht auf mich, nein, auf die Flammen,
Die leise bebten in des Winds Akkorden.

Da warfst du endlich all mein Glück zusammen
Mit einem Hauche deines stolzen Mundes,
Daß Aug' und Kerze rasch in Nacht verschwammen.

Ich preßte wild mein Herz, mein liebewundes,
Im bittern Grolle auf das Glück der Kerze,
Die längst mit dir sich freut des Liebesbundes.

Sie leuchtet stets in deines Auges Schwärze
Und buhlt mit deiner Stirn und deinen Wangen,
Indes ich fern von dir vergeh' im Schmerze.

Allein von deinem Mund den Tod empfangen
Und zu verwehn in deines Atems Wogen,
Wie es der Kerze jene Nacht ergangen:

Hätt' ich vom Schicksal solch ein Los gezogen,
Ich wollte, ach! nur leben eine Stunde
Und sterben dann, im süßen Hauch verflogen,

Der Kerze gleich in jener Abendstunde.

 


 

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