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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 21
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Liebeslieder

1

                  Du wunderschöne Schlanke,
    Dir biet' ich all mein Herz,
Dies stolze, liebeskranke,
    Glutschmachtende Dichterherz.

Wohl möcht' ich es gern umschlingen
    Mit Blumen aus Ost und Süd,
Zu deinem Preise singen
    Ein hohes, hehres Lied.

Ein Lied, das unermeßlich
    Von Klang zu Klange schwebt,
Ein Lied, das unvergeßlich
    Von Lippe zu Lippe bebt.

Ein Lied, drin Nebeldüster
    Mit Himmelsbläue sich eint,
Ein Lied, drin Blumengeflüster
    Ins Waldesgebrause weint.

Drein möcht' ich verweben, verzweigen
    Den ganzen tönenden Drang,
Verstummen darauf und schweigen
    All, all mein Leben lang.

Doch wenn ich zum stolzen Vermessen
    Mich stolz zusammengerafft,
Entgaukelt mir unterdessen
    Die ganze Gesangeskraft.

Es ist ein einz'ger Gedanke,
    Der stiehlt mir Lied und Herz:
Du wunderschöne Schlanke,
    Dir biet' ich all mein Herz.

2

            Ich habe nie das Knie gebogen,
    Den starren Nacken nie gebeugt,
Mit Stolze ward ich aufgezogen,
    Mit Freiheit ward ich aufgesäugt.

Doch allem Stolz im Sein und Handeln
    Entsagt' ich und der Freiheit mit,
Könnt' ich mich in den Staub verwandeln,
    Den deines Schuhes Sohle tritt.

3

        Wenn auf zu den Wolken ich schaue
    Ins feucht umwölkte Blau,
Dann denk ich an deine Augen,
    Du wunderschöne Frau!
Und wenn die weinenden Wolken
    Hinstäuben den Morgentau,
Dann denk ich an deine Tränen,
    Du wunderschöne Frau!

Und schau ich zwei Wolken innig
    Zusammenrinnen im Grau,
Dann denk ich an unsre Liebe,
    Du wunderschöne Frau!
Und tobt in der Wolken Busen
    Der Grimm der Orkane rauh,
Dann denk' ich an unsre Schmerzen,
    Du wunderschöne Frau!

 


 

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