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Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 18
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
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Mein Leben für ein Lied!

                  Ich blättre oft die kreuz und quer
    Im Buch des großen Briten;
So tat ich heut, wie oft vorher,
    Und las Richard den Dritten.
Ha! rechts ein Schwert und links ein Schwert,
    Verderben dort und hier!
Der König ruft: »Ein Pferd, ein Pferd,
    Mein Königreich dafür!« –

Ihr wißt, ich bin zu jeder Zeit
    Ein träum'rischer Geselle;
So träumt' ich mich wahrhaftig heut
    An König Richards Stelle.
Ich war vom Helm bis an den Sporn
    In Stahl geschnürt, in blanken,
Und ritt in raschem Kampfeszorn
    Durchs Schlachtfeld der Gedanken.

Gedanke hier, Gedanke dort,
    Das war ein heiß Gedränge,
Wild wirbelte von Ort zu Ort
    Im Knäul das Handgemenge;
Mich aber trug mein Flügelroß,
    Ein Lied voll Sturm und Flammen,
Durch Lanzenwald und Wagentroß
    Und – brach mit mir zusammen.

Da lag der tote Pegasus
    Auf mir in voller Schwere,
Und über mich wie Wogenschuß
    Hinrollten beide Heere.
Ha! rechts die Schlacht und links die Schlacht!
    Da lag ich wund und müd
Und rief empor mit aller Macht:
    »Mein Leben für ein Lied!«

Wenn innen tobt der Liederstreit,
    Die Worte aber versagen,
Kein Wort, kein Reim, kein Lied bereit,
    Um drauf dahinzujagen;
Wenn uns das Herz das Lied nicht gibt
    Und doch zum Liede zieht,
Da ruft man wohl, zum Tod betrübt:
    »Mein Leben für ein Lied!«

 


 

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