Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Moritz Graf Strachwitz: Gedichte - Kapitel 13
Quellenangabe
titleGedichte
authorMoritz von Strachwitz
yearca. 1935
publisherDeutsche Hausbücherei
addressHamburg
created20011215
sendergerd.bouillon@t-online.de
typepoem
modified20170929
Schließen

Navigation:

Aurea mediocritas

                Durch ungebahnte Bergesengen,
    Wo rechts und links der Abgrund gähnt,
Dort hab' ich oft, dahinzusprengen
    Auf wildem Renner, mich gesehnt.
Lawinen donnern, Geier schweben
Fraßgierig über mir im Blauen;
Ich aber will die Sporen geben
Und nicht zurück, nicht seitwärts schauen.

Im stillen Tal, auf weichen Matten,
    Von Lind' und Rose überpflanzt,
Wo unterm breiten Blätterschatten
    Die Schäferin den Reigen tanzt;
Dort, weinberauscht, auf üpp'gen Kissen
Im Arm der Liebe mich zu dehnen,
Auch dahin ging, ihr soll es wissen,
Auch dahin ging mein heißes Sehnen.

Ihr aber geht die Mittelstraße
    Hin zwischen Alpe, Tal und Fluß;
Das Reiten dient auch nicht zum Spaße,
    Drum geht ihr lieber hübsch zu Fuß;
Gemächlich schlendert ihr von hinnen
Und seht nicht vorwärts, noch zurücke,
Und plumpt ihr in die Straßenrinnen,
So nennt ihr's große Mißgeschicke.

Indes ich zaumlos überspringe
    Des Felsenschlundes offnes Maul,
Führt ihr bequem am Nasenringe
    Den hüftenlahmen Karrengaul;
Indes im weichlichsten Genusse
Ich hingegeben schwelgend ruhe,
Macht ihr zu Hause Fidibusse,
Damit der Geist doch etwas tue.

Sollt schwarz und weiß ihr unterscheiden
    Und zwischen beiden wählen schlau,
So sagt ihr: Her mit allen beiden!
    Wir mischen beide in das Grau.
Wenn Leu und Tiger sich bedrängen,
Steht ihr parteilos in der Mitten;
Sollt ihr von zweien einen hängen,
So nehmt ihr ganz gewiß den dritten.

Das ist die Pest des edlen Blutes,
    Der Hemmschuh für das Rad der Zeit,
Das ist der Tod des freien Mutes
    In Rat und Tat, in Fried' und Streit.
Du Mittelweg für Schuft und Memmen,
Du Schlupfloch jeder feigen Blöße,
Wann wird dich endlich niederschwemmen
Der Alpenstrom der Kraft und Größe?

 


 

 << Kapitel 12  Kapitel 14 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.