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Gedichte

Ernst Stadler: Gedichte - Kapitel 5
Quellenangabe
titleGedichte
authorErnst Stadler
typepoem
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-008528-4
created19990712
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Botschaft

1914

       

Du sollst wieder fühlen, daß alle stark und jungen Kräfte dich umschweifen,

Daß nichts stille steht, daß Gold des Himmels um dich kreist und Sterne dich umwehn,

Daß Sonne und Abend niederfällt und Winde über blaue Meeressteppen gehn,

Du sollst durch Sturz und Bruch der Wolken wilder in die hellgestürmten Himmel greifen.

 

Meintest du, die sanften Hafenlichter könnten deine Segel halten,

Die sich blähen wie junge Brüste, ungebärdig drängend unter dünner Linnen Hut?

Horch, im Dunkel, geisterhafte Liebesstimme, strömt und lallt dein Blut –

Und du wolltest deine Hände müde zur Ergebung falten?

 

Fühle: Licht und Regen deines Traumes sind zergangen,

Welt ist aufgerissen, Abgrund zieht und Himmelsbläue loht,

Sturm ist los und weht dein Herz in schmelzendes Umfangen,

Bis es grenzenlos zusammensinkt im Schrei von Lust und Glück und Tod.

 


 

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