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Gedichte

Karl Simrock: Gedichte - Kapitel 18
Quellenangabe
typepoem
booktitleAusgewählte Werke / Band I
authorKarl Simrock
year1907
firstpub1907
editorGotthold Klee
publisherMax Hesse
addressLeipzig
titleGedichte
created20130319
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das tote Fräulein

        Auf hohem Schloßbalkone
Der König Artus stand
Und sah mit scharfen Blicken
Weit über Meer und Land.

»Ihr Tafelrunder, schauet,
Ein Schifflein treibt heran.
Es hat nicht Ruder noch Segel,
Doch sicher schwebt der Kahn.

Kein Fährmann lenkt das Steuer,
Doch kommt er nicht in Not;
Ein Teppich liegt darüber,
Der ist wie Gold so rot.«

Das Schifflein kam gefahren,
Als lenkt' es Gottes Hand,
Zwei Ritter und ein Knappe,
Die zogen es an den Strand.

Was birgt der goldne Teppich?
Ein Fräulein schön und bleich;
Sie ruht auf Purpurpfühlen
Von Golde köstlich und reich.

Was steht in diesem Briefe?
Laßt sehen, was er sagt:
»Ihr Ritter der Tafelrunde,
Euch sei mein Leid geklagt.

Er sitzt an euerm Tische,
Um den ich gestorben bin:
Er ist der beste Ritter,
Doch felsenhart sein Sinn.

Der beste und der böste,
Den je die Welt gesehn:
Wie viel ich ihn bat um Liebe,
Er ließ mich im Leid vergehn.

Die Tränen, die ich weinte,
Sie flossen in die See,
Das Wasser trug sie von hinnen,
Das Wasser kennt mein Weh.

So sei das Wasser beschworen,
Daß es mich zu ihm führt:
Der mich im Leben verschmähte,
Ob ihn die Tote noch rührt?«

Da klagten all die Ritter,
Da weinte der König hehr:
Doch einer war darunter,
Froh ward der nimmermehr.

 


 

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