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Gedichte

Max Dauthendey: Gedichte - Kapitel 55
Quellenangabe
titleGedichte
authorMax Dauthendey
modified20170815
typepoem
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        Der ewige Wanderer, der Wind,
Kam hochgeschossen mit großen Schritten,
Hat die Bäume unbeirrt umhalst,
Die verwirrt geworden sind;
Sie haben verdrossen
Mit Holzarmen nach ihm gestoßen.
Der Wind hat mit tollen Griffen
Ihre glatten Blätter aneinander geschliffen.
Sie aber wollen beim Juliheu in Ruhe brüten
Und lautlos ihr Stück Erde behüten,
Wollen ihre Blätter stillen,
Wie Ammen den Kindlein zu Willen.
Da fährt der Wind ohne Fried' herein,
Hochfahrig an Gestalt,
Macht keinen Unterschied zwischen jung und alt,
Treibt die Baumherden vor sich her
Und duckt ihre Hälse zur Erden,
Und gibt den Festgewachsenen fliehende Gebärden.
Durchfaucht das Einerlei
Und rührt in den grünen Blättern mit Gejohl und Geschrei.
Kennt keinen Besitz, und wenn er anrennt, keine Grenzen.
Stößt die Stille von ihrem Sitz
Und ist ein Drache mit tausend Schwänzen
Ich lausche gern seinem Gange,
Der ist gewunden wie eine Schlange
Und gleicht dem Klange der Wälder und ihrer Kühle,
die er durchjagt,
Als ob er die Sehnsucht und die Gefühle
Von Tausendjährigem sagt.

 


 

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