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Gedichte

Max Dauthendey: Gedichte - Kapitel 25
Quellenangabe
titleGedichte
authorMax Dauthendey
modified20170815
typepoem
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Die Liebe kennt das Wörtlein »sterben« kaum

        Nachtwinde umschauern die Fenster
Und dicken Mauern des Hauses.
Waldgipfel kauern drunten im Düstern.
Im Loch der Nacht lauern
Wie eines Raubtiers Nüstern – Todesgedanken.
Es ist, als ob die uralten Wände wanken.
Ein Käuzchen lockt mit Geschrei
Den Schauder der Sterbestunde herbei.
Sein Hilferuf gellt wie von einem, der sich die Stirn zerschellt.
Waldblätter rasseln und Regen fällt,
Und still ist auf einmal wieder die Welt,
Als ob jemand die Atemzüge dir zählt.
Zu meiner Seite aus tiefen Kissen
Spricht die Liebste im Traum.
Ihr Traumwort hat allen Spuk mir zerrissen –
Die Liebe kennt das Wörtlein »sterben« kaum.

 


 

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