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Matthias Claudius: Gedichte - Kapitel 9
Quellenangabe
titleGedichte
authorMatthias Claudius
modified20170815
typepoem
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An Frau Rebekka;
bei der silbernen Hochzeit, den 15. März 1797

        Ich habe Dich geliebet und ich will Dich lieben,
    Solang' Du goldner Engel bist;
In diesem wüsten Lande hier, und drüben
    Im Lande wo es besser ist.

Ich will nicht von Dir sagen, will nicht von Dir singen;
    Was soll uns Loblied und Gedicht?
Doch muß ich heut der Wahrheit Zeugnis bringen,
    Denn unerkenntlich bin ich nicht.

Ich danke Dir mein Wohl, mein Glück in diesem Leben.
    Ich war wohl klug, daß ich Dich fand;
Doch ich fand nicht. GOTT hat Dich mir gegeben;
    So segnet keine andre Hand.

Sein Tun ist je und je großmütig und verborgen;
    Und darum hoff' ich, fromm und blind,
Er werde auch für unsre Kinder sorgen,
    Die unser Schatz und Reichtum sind.

Und werde sie regieren, werde für sie wachen,
    Sie an sich halten Tag und Nacht,
Daß sie wert werden, und auch glücklich machen,
    Wie ihre Mutter glücklich macht.

Uns hat gewogt die Freude, wie es wogt und flutet
    Im Meer, so weit und breit und hoch! –
Doch, manchmal auch hat uns das Herz geblutet,
    Geblutet... Ach, und blutet noch.

Es gibt in dieser Welt nicht lauter gute Tage,
    Wir kommen hier zu leiden her;
Und jeder Mensch hat seine eigne Plage,
    Und noch sein heimlich Crève-cœur.

Heut aber schlag ich aus dem Sinn mir alles Trübe,
    Vergesse allen meinen Schmerz;
Und drücke fröhlich Dich, mit voller Liebe,
    Vor Gottes Antlitz an mein Herz.

 


 

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