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Matthias Claudius: Gedichte - Kapitel 8
Quellenangabe
titleGedichte
authorMatthias Claudius
modified20170815
typepoem
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Als der Sohn unsers Kronprinzen, gleich
nach der Geburt, gestorben war

            Mit den vielen andern, Groß und Kleinen,
    Klag' ich schmerzlich Deinen Tod;
Will bei Deinem Sarge satt mich weinen
    Und die Augen rot.

Nicht: daß Du Dich nicht, nach Herzensgnüge,
    An die holde Mutter schmiegst,
Und daß Du, statt freundlich in der Wiege,
    Tot im Sarge liegst, –

Hier ist Vorplatz nur, spät oder frühe
    Gehn wir alle weiter ein,
Und es lohnt sich wahrlich nicht der Mühe
    Lange hier zu sein,

Nicht: daß Du des Vaters Glanz hienieden
    Und sein Königreich nicht sahst,
Und daß Du die Krone, Dir beschieden,
    Nicht getragen hast; –

Ach, die Kronen sind nicht ohne Bürden,
    Sind nicht ohn Gefahren, Kind!
Und es gibt für Menschenkinder Würden,
    Die noch größer sind;

Sondern: daß wir hier ein Land bewohnen,
    Wo der Rost das Eisen frißt,
Wo durchhin, um Hütten wie um Thronen,
    Alles brechlich ist;

Wo wir hin aufs Ungewisse wandeln,
    Und in Nacht und Nebel gehn,
Nur nach Wahn und Schein und Täuschung handeln,
    Und das Licht nicht sehn;

Wo im Dunkeln wir uns freun und weinen,
    Und rund um uns, rund umher,
Alles, alles, mag es noch so scheinen,
    Eitel ist und leer.

O du Land des Wesens und der Wahrheit,
    Unvergänglich für und für!
Mich verlangt nach dir und deiner Klarheit;
    Mich verlangt nach dir.

 


 

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