Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Georg Bötticher: Gedichte - Kapitel 25
Quellenangabe
titleGedichte
authorGeorg Bötticher
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
Schließen

Navigation:

An Leibzg!

            Mei liewes Leibzg – m'r sinn doch noch de Alten
Trotz allen Wechsel in der Zeiten Lauf? –
Laß mich mit dir ä bißchen unterhalten
Un nimm mei Reden, bitte, gietig auf.
Wenn ich versuche, eenjes zu ererdern,
Bis nich gleich beese! Sieh, es is so scheen,
Nich wahr, un gann de Freindschaft ja nur ferdern,
Wemmer in jeder Hinsicht uns verstehn?

Wemmer den Blick dann aufs Deader lenken,
Da gibt's ooch manches, was m'r dadeln gann
Ich gammer sicher ä Direktor denken
Noch idealer fast wie Stägemann.
Doch ihn mit Haß verfolgen, mit beständgen,
Wie manche – nee, das liegt m'r gänzlich fern.
Ja, gennt'ch 's so ä Sternchen oder Bändchen
Fer seine Sammlung stiften – herzlich gern!

Das is gewiß – Du bist dir trei gebliewen:
Musik, der Handel un der Buchverlag –
Um dieses Gleebladd dreht sich all dei Liewen,
Un alles andre gommt ärscht hinten nach.
Du genntst vielleicht ä Linschen mehr dich gimmern
Um Malerei un Dichtgunst un Sgulbdur
Un ä was weniger in Deenen wimmern?
Na, bis nur stille! Ich – ich meente nur – – –

Egal Musik, sieh, wärd een leichte iewer,
Drum stimmt mich oft ooch dei Gewandhaus miß.
(Es is m'r iewerhaubt von draußen liewer,
Zumal, wenn de Musik ärscht drinne is.)
Dann dreibste mir den Gultus mit den Meistern
Ä was ze weit, mei Leibzg. Was willste denn?
M'r gann sehr wohl fer Wagnern sich begeistern
Un doch nich Nikisch'n neiste Weste genn!

Dei neues Rathaus stilvoll zu gestalten,
War darum, wie m'r heert, so riesig-schwer,
Weil's galt, den Bleißenborgdorm ze erhalten
Genau so wie er stand von Altersch her.
Nu macht sich's mit d'n Bau ja schon recht scheene,
Nur eens gann ich mir nich zusammenreim:
Der Dorm is wegk bis auf de untern Steene –
Was brauchen die den schließlich stehn ze bleim?!

Im Buchgewerbehause, eiherrjeses,
Mei gutes Leibzg, da hattste ooch gee Glick:
Die Gorkserei von Schneidern is ä beeses,
In Golorit ä sehre beeses Stick!
Laß lieber uns von »Zoologschen« reden,
Denn das is wahr, an den erfreut m'r sich.
Grad so . gefällt dei »Balmengarten« jeden –
Nur hingehn duht m'r bei dän Breisen nich.

Un's »Ginstlerhaus« – ich sitze grade drinne,
Da schickt sich's nich und deshalb sag ich bloß:
Es is ja eeniges ä bißchen dinne –
Im ganzen awer werkt's doch sehr famos! –
Un nu genug! 's wär manches noch ze sagen,
Was unsereener auf'n Herzen hat...
Ich ferchte nur, du hast mich längst im Magen,
Un nachgerade – krieg ich's selwer satt!

 


 

 << Kapitel 24  Kapitel 26 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.