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Clemens Brentano: Gedichte - Kapitel 89
Quellenangabe
titleGedichte
authorClemens Brentano
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typefable
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                    Herr, dir sei Lob und Dank,
Um immer mich zu finden,
Willst du mich müd und krank
Hier an mein liebes Schmerzensbettlein binden,
Ach, Herr! viel tausend Lob und Dank!

Dein Will geschah' an mir,
Gib nur Geduld, dann strafe,
Ich bin verschuldet dir,
Sei ich dein freies Kind, sei ich dein Sklave,
Ach, nur dein Will gescheh' an mir!

Herr! wie es dir gefällt
Willst du aufs Kreuz mich legen,
Sei ich ans Kreuz gestellt,
Geh kreuzbeladen, Herr, ich dir entgegen,
Ach alles, wie es dir gefällt.

Treu hast du mich geliebt,
Denn, könnt ich dir entfliehen,
Ich hätt dich oft betrübt,
So konntest du mich besser dir erziehen,
Wie treu, Herr, hast du mich geliebt.

Wie ständ es wohl mit mir?
Könnt ich wie andre Kinder
Mich tummeln voll Begier.
Sind andre blind, ach Herr, ich wär noch blinder,
Ach Herr, wie ständ es dann mit mir.

O Herr, wie lieb und gut,
Um viele Liebe zu erwecken,
Wollt'st du mich junges Blut
Als Quell des Mitleids auf das Lager strecken,
O Herr, wie bist du lieb und gut.

Du hast mich heimgesucht,
Gott Dank, daß ich hier liege,
Herr, meiner Leiden Frucht
Lehrt mich mein Engel an der Schmerzenswiege.
Willkomm, Herr, der mich heimgesucht.

Herr! du bedienst dich mein;
Gar manche Trostesworte,
Worin der Name dein
Das Süßste mir, erklingen hier am Orte,
O Freude, du bedienst dich mein!

Wie's ist, so ist es recht,
So schwach, mühselig, schwankend
Von Epheu ein Geflecht
Vom Kreuz gestützt, zum Licht sehnsüchtig rankend.
Herr, wie es ist, ist's recht!

Herr, wär ich fromm und reich
An Demut und an Schmerzen,
Ich wucherte sogleich,
Gäb allen Trost dir hin und litt von Herzen,
Und litt mich fromm und reich.

O himmlische Geduld,
Du kannst mit Schmerzen zahlen,
Nimm auf mein Leid mit Huld,
Ich opfre es vereint mit deinen Qualen.
Sei bei mir, himmlische Geduld.

Die lieben Röschen all
Und große süße Rosen,
Des Freundes Seufzerschall
Schneid ich für Dornen mir aus deinen Rosen,
Nimm dir dein Röschen ganz und all!

Wie wär ich doch so arm
Und könnte nichts verdienen,
Wär mir an deinem Arm
Nicht Lieb und Schmerz und die Geduld erschienen.
Ach, Herr! wie wär ich dann so arm!

Das Röschen, Herr, ist dein;
Könnt laufen ich und hüpfen,
Manch Rosenblättchen fein
Könnt in den Wind hinwehend dir entschlüpfen.
Allein jetzt ist das Röschen dein.

Berührt von Gottes Hand
Treibt mich ein still Entzücken
Am Kreuz empor; zum Pfand
Der Liebe will vielleicht mein Herr mich pflücken.
Dann blüh ich neu in Jesu Hand.

Dir will das Röschen blühn,
Du Haupt voll Blut und Wunden,
Wie seh ich dich erglühn,
Du Bräutigam, von Dornen ganz umwunden,
Dir will das Dornenröschen blühn.

Du hast dein Röschen scharf
Mit Dornen rings versehen,
Daß keiner nahen darf
Als du, der weiß mit Dornen umzugehen,
Du hütest, Herr, dein Röschen scharf.

So ließ ein Pilger einst
Dich Dornenröschen reden,
Wenn du so leiden lernst,
Dann kannst du zu den Wunden Jesu beten
Für alle und den Pilger ernst!

 


 

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