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Clemens Brentano: Gedichte - Kapitel 85
Quellenangabe
titleGedichte
authorClemens Brentano
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typefable
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                    Wer ist ärmer als ein Kind,
An dem Scheideweg geboren,
Heut geblendet, morgen blind,
Ohne Führer geht's verloren,
Wer ist ärmer, als ein Kind.
    Wer dies einmal je empfunden,
    Ist den Kindern durch das Jesuskind verbunden!

Welch Geheimnis ist ein Kind,
Gott ist auch ein Kind gewesen,
Weil wir Gottes Kinder sind,
Kam ein Kind uns zu erlösen.
Welch Geheimnis ist ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

O wie dankbar ist ein Kind,
Pflege ich die zarte Pflanze,
Schütz ich sie vor Sturm und Wind,
Wird's ein Schmuck im Himmelsglanze,
O wie dankbar ist ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Die im Himmel waren Kind,
Die auch, die der Fluch getroffen,
Ach, so such ein Kind geschwind,
Lehr es glauben, lieben, hoffen,
Die im Himmel waren Kind.
    Wer dies einmal etc.

Welch ein Bote ist ein Kind,
Jedes Wort, das es erquicket,
Bis zum Himmelsgarten rinnt,
Wo das Wort war ausgeschicket,
Welch ein Bote ist ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Zu mir sendet Gott das Kind,
Das nicht weiß, was tun, was lassen,
Wie ich gebend bin gesinnt,
Wird sein Herz die Gabe fassen,
Zu mir sendet Gott das Kind.
    Wer dies einmal etc.

Wie so leicht lehrt sich ein Kind
All zum Guten, all zum Bösen
Wie den Schlüssel es gewinnt,
Wird es alle Rätsel lösen,
Wie so leicht lehrt sich ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Sei nicht bange um das Kind,
Laß es alles selbst verdienen,
Sei barmherzig, streng und lind,
Sei wie Gott mit dir, mit ihnen,
Sei nicht bange um das Kind.
    Wer dies einmal etc.

Wie gelehrig ist ein Kind,
So wie du es lehrest lesen
In dem Buch, in dem wir sind,
So wird einst sein ganzes Wesen,
Wie gelehrig ist ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Willst du segnen, lehr ein Kind,
Aus dem Körnlein werden Ähren,
Wie dein Körnlein war gesinnt,
Wird das Brot die Welt einst nähren.
Willst du segnen, lehr ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Keine Blume kennt das Kind,
Giftige erscheinen bunter,
Wenn es Lust am Bunten find't,
Bricht's die Frucht und gehet unter,
Keine Blume kennt das Kind.
    Wer dies einmal etc.

Ach wer führt dies schwache Kind,
Höll und Himmel stehen offen,
Daß das Lamm dem Wolf entrinnt,
Hat es mich wohl angetroffen.
Ach, wer führt dies schwache Kind.
    Wer dies einmal etc.

Durch die Wüste zieht das Kind,
Nur der Faden meiner Hände
Führt es durch das Labyrinth,
Es wird wandeln wie ich's sende.
Durch die Wüste zieht das Kind.
    Wer dies einmal etc.

In der Krippe lag ein Kind,
Ochs und Esel es verehren;
Wo ich je ein Kindlein find,
Will ich's lieben, pflegen, lehren,
In der Krippe lag ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Zu mir Sünder kam dies Kind,
Lehrte mich den Vater kennen,
Darum, wo ich ein Kindlein find,
Muß ich's meinen Bruder nennen.
Zu mir Sünder kam dies Kind.
    Wer dies einmal etc.

Wie so heilig ist ein Kind,
Nach dem Wort von Gottes Sohne
Aller Kinder Engel sind
Zeugen vor des Vaters Throne,
Wie so selig ist ein Kind!
    Wer dies einmal etc.

Welche Würde hat ein Kind,
Sprach das Wort doch selbst die Worte:
Die nicht wie die Kinder sind,
Gehn nicht ein zur Himmelspforte.
Welche Würde hat ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Werden muß ich wie ein Kind,
Wenn ich will zum Vater kommen,
Kinder, Kinder, kommt geschwind,
Ich wär gerne mitgenommen,
Ich muß werden wie ein Kind.
    Wer dies einmal etc.

Dieses Lied ist für ein Kind,
Das noch nie ein Kind betrübet,
Und aus Jesu Liebe sinnt,
Ob es Kinderliebe übet,
Dieses Lied ist für ein Kind,
Und weil solches es empfunden,
Ist's den Kindern durch das Jesuskind verbunden!

Wer dies sang war auch ein Kind
Und ist jetzt ein armer Sünder,
Und er schreibt auf Sturm und Wind:
Wachet über Gottes Kinder,
Wer dies sang, war auch sein Kind.
Herr, laß dies ihn heiß empfinden,
Sich den Kindern durch das Jesuskind verbinden!

 


 

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