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Clemens Brentano: Gedichte - Kapitel 84
Quellenangabe
titleGedichte
authorClemens Brentano
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typefable
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Bestellte Poesie

                      Bleib nur stille,
Gottes Wille
Hat auch dich ja ausersehn,
Alle Armut, alle Fülle
Wird auch dir vorübergehn.

Bleib nur innig
Treu und sinnig,
Wie dich auch der Engel grüßt,
Spreche: Deine Magd, Herr! bin ich,
Die dir nie ihr Herz verschließt.

Bleib nur heiter,
Blick nicht weiter
Als zum Hirten, der dich führt.
Sorge bricht die Himmelsleiter,
Weil sie aus der Erde rührt.

Bleib vertrauend
Aufwärts schauend,
Nimm nur fremde Not ans Herz,
Und auf die Verheißung bauend
Trag die Erde himmelwärts.

Bleib nur selig,
Ach allmählich
Wird die Nacht vorüber gehn,
Denk, nur wenge Stunden zähl ich,
Schlafengehn wird Auferstehn.

Bleib nur liebend,
Wenn betrübend
Alles Leben treulos scheint,
Stirb du, allen Liebe übend,
Dann stirbst du dem Herrn vereint.

Bleib in Frieden,
Ungeschieden,
Eng getraut dem einzgen Gut,
Der die Arm' ausstreckt hienieden,
Bis Süßlieb am Herz ihm ruht.

Bleib nur betend,
Wenig redend,
Sorge für dein Gartenbeet,
Säend, pflanzend, stützend, jätend,
Bis es reif zur Ernte steht.

Bleib nur kindlich,
Unverbindlich
Dieser lügenvollen Welt,
Einem nur unüberwindlich
Wirk dein Herz ins Siegsgezelt.

Bleib nur leise,
In dem Gleise,
Wird zum Ernste einst das Spiel
Und die wirre, bunte Reise
Tritt zum lichtgeschmückten Ziel.

Bleib nicht, allen
Zu gefallen,
Wählend auf dem Scheideweg,
Ob links?, rechts? zum Traum zu wallen?
Segnend dich zur Seite leg.

Bleib nur hüpfend
Und entschlüpfend,
Allen ab- und zugewandt,
Alle Schleifen hier verknüpfend
Führen nicht ins Vaterland.

Bleib lebendig,
Ganz abwendig
Werd mir nie, o sei mir fromm,
Mit dir leb ich, mit dir end ich –
Fleh! daß uns sein Reich zukomm!

Bleib demütig!
Einstens blüht ich,
War doch nie so froh wie du,
Arm war ich und übermütig,
Gott und du ihr sah't mir zu!

Bleib geduldig,
Denn ich huldig'
Aller Huld allein in dir,
Strafe, lohn'? was all verschuld ich?
Gib stumm Kind, ach gib es mir!

Bleib, wie üblich,
Fein und lieblich,
Zäh und kraus, das arme Kind,
Dessen Fesseln, nie verschieblich,
Nimmer ich mein Herz entwind.

Bleib nicht länger
Aus, denn enger,
Immer enger, wird die Brust
Deinem armen kranken Sänger –
Dessen Herz du stimmen mußt.

Bleib nur bleibend,
Blüten treibend,
Bis der Herr zur Ernte geht,
Für mich Ärmsten dieses schreibend,
Opfre Früchte im Gebet!

Bleib das süße
Ziel der Grüße,
Grüß dich Gott viel tausendmal,
Auf dem Baum im Paradiese
Liebste Frau von Nachtigall!

 


 

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