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Clemens Brentano: Gedichte - Kapitel 73
Quellenangabe
titleGedichte
authorClemens Brentano
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typefable
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Jäger und Hirt

            Durch den Wald mit raschen Schritten
Trage ich die Laute hin,
Liebe singt, was Leid gelitten,
Schweres Herz hat leichten Sinn.

Durch die Büsche muß ich dringen
Nieder zu dem Felsenborn,
Und es schlingen sich mit Klingen
Durch die Saiten Ros' und Dorn.

In der Wildnis wild Gewässer
Breche ich mir kühne Bahn,
Steig ich aufwärts in die Schlösser,
Schaun sie mich befreundet an.

Haus ich nächtlich in Kapellen,
Stört sich kein Gespenst an mir,
Weil sich Wandrer gern gesellen,
Denn auch ich bin nicht von hier.

Seh ich Zauberschätze glimmen,
Locket bald durch Sumpf und Moor
Mich der Irrwisch hin und stimmen
Muß mein Lautenschlag dem Chor.

Zu der Gnomen Hochzeitfeier,
Zu der Elfen luftgem Tanz
Tönet meine ernste Leier
Unerschreckt im Mondenglanz.

In dem Schoß der Wunderberge
In der Zauberfräulein Haus
Führen mich die schlauen Zwerge
Und ich singe ohne Graus.

Geister reichen mir den Becher,
Reichen mir die kalte Hand,
Denn ich bin ein kühner Zecher,
Scheue nicht den glühen Rand.

Ja beim Mahl zur bösen Stunde
Leert den Becher ich mit Faust,
Wo berührt vom Satansmunde
Höllenglut im Weine braust.

Alles ist mir schon geschehen,
Meine Schale ist erfüllt,
Seit ich selber mich gesehen,
Hab das Antlitz ich verhüllt.

Zu der Mainacht Hexenreihen
Spiel ich nun ein geistlich Lied,
Daß die Schar mit Maledeien
Vor dem fremden Sänger flieht.

In Frau Venus Berg die Leier
Hab mit Keuschlamm ich geschmückt
Und sie hat mich ohne Schleier
An die volle Lust gedrückt.

Doch sie konnte mich nicht rühren,
Sie verging in frommer Scham,
Ließ sich leicht von mir verführen,
Daß sie einen Schleier nahm.

Die Sirene in den Wogen,
Hätt sie mich im Wasserschloß,
Gäbe, den sie hingezogen,
Gern den Fischer wieder los.

Wo der Schwan im Wellenspiegel
In sein Sternbild niedertaucht,
Bricht der Schmerz auch mir das Siegel,
Daß mein Leid im Liede haucht.

Meinen weißen Hirsch verloren
Hab ich mit dem Goldgeweih;
Die in ihm war eingeboren
Starb mit ihm die schöne Fei.

Weh, mich hatte die Meduse
Mit dem Schlangenblick versteint,
Und seitdem hat meine Muse
Nicht gelachet, nicht geweint.

Doch mit scharfen Wünschelruten
Schlug ihr Amor ins Gesicht,
Daß ihr aus in Tränenfluten
Die versteinte Seele bricht.

Bittre Meere um mich rannen,
Und wie auch die Phantasie
Mochte bunte Segel spannen,
Nie ach nie, erschafft ich sie!

Und nun kehre ich von Thule,
Fand da auf des Meeres Grund
Einen Becher, meine Buhle
Trinkt sich nur aus ihm gesund.

Füllet euch ihr ewigen Tage,
Mond und Sonne steigt und sinkt,
Dürstend ich den Becher trage,
Und sie fehlt, die aus ihm trinkt.

Suchend geh ich durchs Gedränge
Und die Schuldner mahnen mich,
Und ich singe viel Gesänge,
Doch im Herzen weine ich.

Wo die Schätze sind begraben
Weiß ich wohl, Geduld, Geduld,
Einer schwebt am Kreuz erhaben,
Der bezahlet meine Schuld.

Während ich dies Lied gesungen
Nahet sich des Waldes Rand,
Aus des Laubes Dämmerungen
Trete ich ins offne Land.

Aus der Eichen zu den Myrten,
Aus der Laube in das Zelt,
Hat der Jäger sich dem Hirten,
Flöte sich dem Horn gesellt.

Während du die Lämmer hütest,
Zähm ich dir des Wolfes Wut,
Wenn du fromm die Hände bietest
Werd ich deines Herdes Glut.

Und willst du die Arme schlingen
Um ein Liebchen zwei und zwei,
Will ich dir den Baum schon zwingen,
Daß er eine Laube sei.

Du kannst Kränze schlingen, singen,
Schnitzen, spitzen Pfeile süß,
Ich kann ringen, klingen, schwingen,
Schlank und blank den Jägerspieß.

Gib die Pfeile, nimm den Bogen,
Mir ist's Ernst und dir ist's Scherz,
Hab die Sehne ich gezogen,
Du gezielt, dann trifft's ins Herz.

Wild getan, wie stolz gesprochen,
Weh der Pfeil flog seine Bahn,
Hat des Lammes Herz durchstochen,
Drohend sah der Hirt mich an.

Dorn ward da die Rosenkrone
Um sein göttlich mildes Haupt,
Vater! rief er, ihn verschone,
Denn er hat an mich geglaubt.

 


 

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