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Clemens Brentano: Gedichte - Kapitel 120
Quellenangabe
titleGedichte
authorClemens Brentano
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typefable
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        Dürstest du nach ewger Liebe,
Oh, so flehe nicht zum Herrn,
Denn in deines Herzens Kern
Steht die Quelle,
Und darüber steht ein Stern,
Er wird dich mit seiner Helle
Immer tief zum Guten rühren
Und zur Quelle würdig führen.
Da magst du den Durst erquicken,
Und wirst du im Niederblicken
Gottes Bild im Wasserspiegel
Mit dir, in dir spiegeln sehn,
Grüß ihn stille.
Ewig wirst du dann am Spiegel
Ewig, ewig blühend stehn.
Also ist des Herren Wille.

Wenn du fromme Sitte übest,
Dich mit Zucht und Tugend kränzest
Und den Spiegel nimmer trübest,
Sieh dann! wie du selig glänzest,
Und wird er dich wieder grüßen,
Wirst du ganz von Wonne schwer
Dich wie keusche Blumen bücken,
Alles Liebe in dich schließen,
Und es wird der Herr dich pflücken
Und des Brunnens irdsches Siegel
Brechen, daß ein weites Meer
Wird die Quelle, himmelsspiegel.
Sonne, Mond und alle Sterne
Stehn dann über dir so klar,
Und das Nahe und das Ferne
Wird dir eigen, wird dir wahr.

 


 

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