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Clemens Brentano: Gedichte - Kapitel 106
Quellenangabe
titleGedichte
authorClemens Brentano
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typefable
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        Am Ufer bin ich gangen,
Sie schifften auf dem See,
Mein Herz war voll Verlangen,
Ich trug ein heimlich Weh;
Ein Weh, ein Wohl zu sein
So ganz allein, allein, allein!

Ich hab hinaus getragen
Mein Herz, und der es liebt,
Der muß zu Haus verzagen,
Der ist zum Tod betrübt,
Und hört die Turtel schreien
So ganz allein, allein, allein!

So ging ich wohl zwei Stunden,
Und ob ich sein gedacht
Nur wenige Sekunden,
Das hüll ich in die Nacht
Des stummen Herzens ein
So ganz allein, allein, allein!

Es stürmt, der See schlägt Wellen,
Unheimlich saust der Wind,
Nie will ich mich gesellen,
Ich wirres, irres Kind,
Dem, der mich liebt mit Pein
So ganz allein, allein, allein!

Und sollt er auch erblinden
In seiner Tränen Flut,
Nie will ich mich verbinden,
Dem ich am Herz geruht;
Stirbt er, grabt mir ihn ein
So ganz allein, allein, allein!

Schon zittern ihm die Schmerzen
Um das gebrochne Herz
Gleich stillen Totenkerzen;
Ich laß ihn, reißt der Schmerz
Ihm gleich durch Mark und Bein,
So ganz allein, allein, allein!

Es war sein ganzes Leben
Im bittern Weh verglüht,
Da hab ich ihn umgeben,
Da ist er neu erblüht;
Mein ist er, ich nicht sein
So ganz allein, allein, allein!

Wohin, wohin mich wenden?
Ich armes Waiselein,
Von allen Felsenwänden
Hör ich das Echo schrein,
Arm Kind, o du mußt sein
So ganz allein, allein, allein!

Die Wellen sind Gesellen,
Die Vöglein zwei und zwei,
In Ufern gehn die Quellen,
Sein Echo hat mein Schrei,
Und ruft vom Felsenstein
So ganz allein, allein, allein!

Viel bin ich umgezogen,
Hab redlich angeblickt,
War liebevoll gewogen,
Hab freundlich zugenickt!
Die Wahrheit ließ der Schein
So ganz allein, allein, allein!

Und wem ich bot zu trinken,
Der ward so schwer berauscht,
Er ließ den Becher sinken,
Und hat ihn leicht vertauscht,
Den Zauberbecher mein
So ganz allein, allein, allein!

Du einsam Kreuz am Pfade!
Scheu blicke ich hinan,
O süßer Herr der Gnade
Blick doch dein Schäflein an!
Treib treuer Hirt mich ein
Bald ganz allein, allein, allein!

Da spricht's: Tu keinem andern,
Was dir nicht soll geschehn,
Willst du nicht einsam wandern,
So laß nicht einsam stehn,
Laß nicht, willst du nicht sein
So ganz allein, allein, allein!

Will keiner mir begegnen
Auf diesem öden Pfad,
Soll ich die Welt gesegnen,
Verlassen am Gestad?
Da schallt ein Tritt – es naht
Wer ist's? – sein will ich sein
So ganz allein, allein, allein!

Sag liebrer Wandrer, bist du's,
So biete mir gut Zeit.
»Gelobt sei Jesus Christus!«
– In alle Ewigkeit.
Ach ja, wenn es soll sein
So ganz allein, allein, allein!

In Trauer begonnen,
In Reue vollendet
Zum Kreuz gewendet
Mit Tränen beronnen.

 


 

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