Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Ernst Moritz Arndt: Gedichte - Kapitel 114
Quellenangabe
titleGedichte
authorErnst Moritz Arndt
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
Schließen

Navigation:

Denksprüche. Erinnerungsblätter.

1.
                  Du mußt die Sterblichkeit bezahlen
Das präge früh und ganz dir ein,
Und daß Gott rechnet nicht mit Zahlen,
Daß vor ihm nichts ist groß und klein.
Das tröste dich bei kleinen Dingen
Und richte dich bei großen auf.
Gott giebt den Wind, er gab die Schwingen,
Er gab den Fuß, er weist den Lauf.
2.
Wer im Großen siegen will
Sei im Kleinen fleißig,
Von Eins, Zwei kommt man zum Drei,
Von dem drei zum Dreißig.
3.
Wer fest will, fest und unverrückt dasselbe,
Der sprengt vom festen Himmel das Gewölbe,
Dem müssen alle Geister sich verneigen
Und rufen: Komm, und nimm! Du nimmst dein eigen.
4.
Triebe den Menschen nicht so viel Kleines
An vielen kleinen und kleinsten Tagen,
So viel Kleinstes in Mühen und Spielen,
Sagt mir, wie sollt' er sein Größtes ertragen?
5.
Vor Menschen ein Adler, vor Gott ein Wurm
So stehst du fest im Lebenssturm.
Nur wer vor Gott sich fühlet klein,
Kann vor den Menschen mächtig sein.
6.
Trage frisch des Lebens Bürde,
Arbeit heißt des Mannes Würde,
Kurzer Bach fließt Erdenleid,
Langer Strom die Ewigkeit.
7.
Trau nicht zu viel auf fremden Rat,
Wie's bei dem eig'nen dir auch bangt;
Denn endlich mußt du doch zur That,
Die man als deine ganz verlangt.
Leicht trägt die eigne Lust das Herz,
Die eigne Last, den eignen Fehl,
Doch unverbindlich bleibt der Schmerz,
Sahst du mit fremden Augen scheel.
8.
Wer Lust und Glück will finden
Geh' nicht sie finden aus:
Sie kommen stillen Blinden
Von selbst ins stille Haus.
Die Himmelsgeister gehen
Gar leis' in leiser Luft:
Wann Winde wilder wehen,
Haucht keine Blume Duft.
9.
Freund, willst du Licht, in dich hinein
Schau! schau! Giebt dir das Herz nicht Schein,
Da draußen findest du es nimmer,
Denn Schatten von Schatten ist die Welt,
Schatten dessen, der sie hält und stellt,
Von Gottes Urlicht blasser Schimmer.
10.
Nur einen Freien giebt es, der heißt Gott
So spricht der edle Heide Äschylus.
Kein Narr macht diesen Spruch zum Narrenspott,
Weil jeder Staubgeborne dienen muß.
Ich diene, klang des Böhmenkönigs Spruch.
Mensch, Erdenkönig, nie dienst du genug.
11.
Wer dir die kleinen Freuden nimmt,
Nimmt dir das große Entzücken:
Über tausend schmalste Stege geht
Der Weg zur Himmelsbrücken.
12.
Du suchst der Dinge Grund – stürz' in den Abgrund dich,
Wird da dein Fuß nicht fest, ist nirgends Grund für dich;
Wagst du nicht ritterlich Verzweiflung und Verzagen,
So laß doch lieber ab nach Gott und Welt zu fragen:
Des Wissens Morgenrot wird nie dem Feigen tagen.

 


 

 << Kapitel 113 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.