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Ernst Moritz Arndt: Gedichte - Kapitel 100
Quellenangabe
titleGedichte
authorErnst Moritz Arndt
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Klage um Auerswald und Lichnowsky.

1848.

        Hast du noch Lebensodem,
O Erde grün und schön,
Um die aus schwarzem Brodem
Nur finstre Nebel wehn,
Aus der blutwilde Horden
Brand, Mord und Zeter schrein
Und frech in Meuchelmorden
Der Freiheit Glanz entweihn?

Wie? sind dies deutsche Fahnen?
Die Farben roter Wut?
Will deutsche Kämpfe mahnen
Das Rot an Brust und Hut?
Wie? Rot der welschen Seine
Das mahnte deutschen Mut,
Für Wolf und für Hyäne,
Doch nicht für Deutsche gut?

Sind dies der Freiheit Gaben?
Ist dies der Freiheit Klang,
Von schwarzen Galgenraben
Der Mitternachtgesang?
Nein! nein! von Freiheitstötern
Des Blindschleichs Schlangenlist,
Wo unter grausen Zetern
Kein Laut der Freiheit ist.

Ist dies die deutsche Treue?
Trifft so das deutsche Schwert?
Springt so der deutsche Leue,
Der grad aufs Eisen fährt?
Mann steht den Mann, den Satan
Bestehen zwei und drei,

Doch sieht man solche That an,
So bricht das Herz inzwei.

Zwei Helden sind gefallen,
Nicht, wie der tapfre fällt
Bei hellen Trommelschallen
Aus blut'gem Schlachtenfeld;
Sie haben andre Rosen
Weiland gepflückt im Streit:
Was war den Waffenlosen
Hier für ein Kampf bereit?

Mein Deutschland, Land der Treue!
Mein Deutschland! Land des Muts!
Wann löschet lange Reue
Die Flecken solches Bluts?
Den Mord, womit der Feige
Den Unbewehrten trifft?
O deutschen Ruhmes Neige!
O deutscher Ehre Gift!

O wehe, dreimal wehe!
Weh dieser düstern That!
Nein, meine Seele, gehe
Nie mit in solchen Rat!
Der Ruhm, den Mörder haschen,
Der werde nie mein Ruhm!
Ach, nimmer wegzuwaschen
Vom deutschen Heldentum!

 


 

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