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Adelbert von Chamisso: Gedichte - Kapitel 54
Quellenangabe
titleGedichte
authorAdelbert von Chamisso
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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In malayischer Form.

1.
Genug gewandert.

       

Es schwingt in der Sonne sich auf
    Ein Bienchen in guldiger Pracht.
Bin müde vom irren Lauf,
    Erstarrt von der Kälte der Nacht.

Ein Bienchen in guldiger Pracht,
    In würziger Blumen Reih'n
Erstarrt von der Kälte der Nacht,
    Begehr' ich nach stärkendem Wein.

In würziger Blumen Reih'n
    Bist, Rose, die herrlichste du. –
Begehr' ich nach stärkendem Wein,
    Wer trinket den Becher mir zu?

Bist, Rose, die herrlichste du,
    Die Sonne der Sterne fürwahr!
Wer trinket den Becher mir zu
    Aus der rosigen Mädchen Schar?

Die Sonne der Sterne, fürwahr
    Die Rose entfaltete sich, –
Aus der rosigen Mädchen Schar
    Umfängt die lieblichste mich.

Die Rose entfaltete sich,
    Das Bienchen wird nicht mehr geseh'n.
Umfängt die Lieblichste mich,
    Ist's fürder ums Wandern gescheh'n.

2.
Die Korbflechterin.

       

Der Regen fällt, die Sonne scheint,
    Die Windfahn' dreht sich nach dem Wind, –
Du find'st uns Mädchen hier vereint,
    Und singest uns ein Lied geschwind.

Die Windfahn' dreht sich nach dem Wind,
    Die Sonne färbt die Wolken rot, –
Ich sing' euch wohl ein Lied geschwind,
    Ein Lied von übergroßer Not.

Die Sonne färbt die Wolken rot,
    Ein Vogel singt und lockt die Braut, –
Was hat's für übergroße Not
    Bei Mädchen fein, bei Mädchen traut?

Ein Vogel singt und lockt die Braut,
    Dem Fische wird das Netz gestellt, –
Ein Mädchen fein, ein Mädchen traut,
    Ein rasches Mädchen mir gefällt.

Dem Fische wird das Netz gestellt,
    Es sengt die Fliege sich am Licht,
Ein rasches Mädchen dir gefällt,
    Und du gefällst dem Mädchen nicht.

3.
Totenklage.

       

Windbraut tobet unverdrossen,
    Eule schreiet in den Klippen, –
Weh'! euch hat der Tod geschlossen,
    Blaue Augen, ros'ge Lippen.

Eule schreiet in den Klippen,
    Grausig sich die Schatten senken –
Blaue Augen, ros'ge Lippen,
    Hin mein Lieben, hin mein Denken!

Grausig sich die Schatten senken,
    Regen strömt in kalten Schauern. –
Hin mein Lieben, hin mein Denken!
    Weinen muß ich stets und trauern.

Regen strömt in kalten Schauern.
    Zieh'n die Wolken wohl vorüber? –
Weinen muß ich stets und trauern,
    Und mein Blick wird trüb' und trüber.

Zieh'n die Wolken wohl vorüber,
    Strahlt ein Stern in ew'gem Lichte. –
Ach! mein Blick wird trüb' und trüber,
    Bis ich ihn nach oben richte.

 


 

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