Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Adelbert von Chamisso: Gedichte - Kapitel 39
Quellenangabe
titleGedichte
authorAdelbert von Chamisso
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
Schließen

Navigation:

Minnedienst.

             

Während dort im hellen Saale
    Lustberauscht die Gäste wogen,
    Hält ein Ritter vom Gedränge
    Einsam sich zurückgezogen.

Wie er von dem Sofa aufblickt,
    Wo er ruhet in Gedanken,
    Sieht er neben sich die Dame,
    Der er dienet sonder Wanken.

Sind es Sterne, sind es Sonnen,
    Die in meiner Nacht sich zeigen?
    Sind's die Augen meiner Herrin,
    Welche über mich sich neigen?

Schmeichler! Schmeichler! Sterne, Sonnen
    Sind es nicht, wovon ihr dichtet;
    Sind die Augen einer Dame,
    Die auf euch sie bittend richtet. –

Herz und Klinge sind euch eigen,
    Schickt mich aus auf Abenteuer,
    Heißt im Kampfe mich bestehen
    Riesen, Drachen, Ungeheuer. –

Nein, um mich, mein werter Ritter,
    Soll kein Blut den Boden färben;
    Um ein Glas Gefror'nes bitt' ich,
    Lasset nicht vor Durst mich sterben.

Herrin, in dem Dienst der Minne
    Wollt' ich gern mein Leben wagen,
    Aber hier durch das Gedränge
    Wird es schwer, sich durchzuschlagen.

Und sie bittet, und er gehet, –
    Kommt zurück, wie er gegangen:
    Nein! ich konnte, hohe Herrin,
    Kein Gefrorenes erlangen.

Und sie bittet wieder, wieder
    Wagt er's, immer noch vergebens:
    Nein! man dringt durch jene Thüre
    Mit Gefahr nur seines Lebens.

Ritter, Ritter, von Gefahren
    Sprachet ihr, von Kämpfen, Schlachten,
    Und ihr laßt vor euren Augen
    Ohne Hilfe mich verschmachten.

Und ins wogende Gewühle
    Ist der Ritter vorgedrungen,
    Dort verfolgt er einen Diener,
    Hat den Raub ihm abgerungen.

Und die Dame schaut von ferne,
    Wie mit hochgehalt'ner Schale
    Er sich durch den Reigen windet
    In dem engen, vollen Saale;

Sieht in eines Fensters Ecke
    Glücklich seinen Fang ihn bergen,
    Sieht ihn hinter die Gardine
    Ihren Augen sich verbergen;

Sieht ihn selber dort gemächlich
    Das Eroberte verschlingen,
    Wischen sich den Mund und kommen,
    Ihr betrübte Kunde bringen:

Gern will ich mein Leben wagen,
    Schickt mich aus auf Abenteuer,
    Heißt im Kampfe mich bestehen
    Riesen, Drachen, Ungeheuer.

Aber hier, o meine Herrin,
    Hier ist alles doch vergebens,
    Und man dringt durch jene Thüre
    Mit Gefahr nur seines Lebens.

 


 

 << Kapitel 38  Kapitel 40 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.