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Adelbert von Chamisso: Gedichte - Kapitel 171
Quellenangabe
titleGedichte
authorAdelbert von Chamisso
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Wer hat's gethan?

       

Ich trinke meist nur Wasser aus dem Fluß
    Und kann's mit bestem Willen doch nicht loben,
    Getrunken hab' ich's mir zum Überdruß.Siehe »Sage von Alexandern«
Und meinen Mut anscheinlich zu erproben,
    Wird, groß und schwer, bedrohlich in der Nacht
    Ins Haus mir eine Kiste zugeschoben.
Was soll mir das? wer hat sich das erdacht?
    Nicht pflegt, wer Gutes sinnt, sich zu verstecken;
    Höllenmaschinen giebt's, nehmt euch in acht!
Behutsam auf! das Unheil nicht zu wecken; –
    Was steckt darin? Blitz Hagel! Flaschen seh' ich
    Die schönen, blankverzinnten Hälse recken, –
Champagner-Flaschen! Nein – versteinert steh' ich;
    Es spukt, es geht nicht zu mit rechten Dingen.
    Wer ist in Deutschland solchen Streiches fähig!?
»Und welche Lieder wollt' ich da nicht singen!«
    Ach nein! mit meinem Singen ist's vorbei,
    Die Mus' entwichen und gelähmt die Schwingen.
Lebend'ger Geist in diesen Flaschen, sei
    Ein Liebesbalsam meiner kranken Brust,
    Erweckst du gleich nicht mehr den alten Mai.
»Ich liebe wohl geliebt zu sein,« gewußt
    Hat das der Freundliche, der dich gesendet,
    Und wohl empfand auch er die gleiche Lust.
Der Liebe, die dich edlen Trank gespendet,
    Geweihet sei andächtig immerdar,
    Und werde sonder Liebe nie verschwendet.
Mir scheint am Abend spät der Himmel klar,
    Der rote Streif, das ist der Liebe Glut; –
    Reicht einen Trunk von meinem Wein mir dar;
Denn, wem die Liebe bettet, ruhet gut.

 


 

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