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Adelbert von Chamisso: Gedichte - Kapitel 166
Quellenangabe
titleGedichte
authorAdelbert von Chamisso
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Die letzten Sonette.

1.

           

»Du sangest sonst von Frauen-Lieb' und Leben,
    Mein trauter Freund, mir schöne Lieder vor;
    An deinen lieben Lippen hing mein Ohr,
    Ich fühlte mich in Lieb und Lust erbeben.

Du singst nicht mehr; – um deine Lyra weben
    Die Spinnen, dünkt mich, einen Trauerflor;
    Sprich, wirst du nie die Lust, die ich verlor,
    Du süßer Liedermund, mir wiedergeben?«

Ich trage selbst – still, still! mein gutes Kind –
    Geduldig und entbehre sonder Klage;
    Bin müde jetzt, verklungen ist mein Singen.

Ein Sänger war ich, wie die Vögel sind,
    Die kleinen, die nur zwitschern ihre Tage. –
    Der Schwan nur . . . – Reden wir von andern Dingen.

2.

Ich fühle mehr und mehr die Kräfte schwinden;
    Das ist der Tod, der mir am Herzen nagt,
    Ich weiß es schon; und was ihr immer sagt,
    Ihr werdet mir die Augen nicht verbinden.

Ich werde müd' und müder so mich winden,
    Bis endlich der verhängte Morgen tagt,
    Dann sinkt der Abend, und wer nach mir fragt,
    Der wird nur einen stillen Mann noch finden.

Daß so vom Tod ich sprechen mag und Sterben,
    Und doch sich meine Wangen nicht entfärben,
    Es dünkt euch mutig, übermutig fast.

Der Tod! – der Tod? Das Wort erschreckt mich nicht,
    Doch hab' ich im Gemüt ihn nicht erfaßt
    Und noch ihm nicht geschaut ins Angesicht.

An Trinius.

3.

Der Unhold, der im Schlaf mich überfallen,
    Brach meine Kraft ohn' allen Widerstreit;
    Auf meine Brust sich legend schwer und breit,
    Riß er ins Fleisch mir schmerzlich seine Krallen.

Ich sprach: Geschehe, was dem Herrn gefallen!
    Rufst du, sein Knecht, mich ab? ist's an der Zeit?
    Du findest mich gerüstet und bereit. –
    Er ließ ein Hohngelächter gellend schallen.

Ich schaute scharf ihn an, da troff ein kalter
    Angstschweiß von meiner Stirn herab, da hatt's
    Ein Ende bald mit meinem kecken Mut.

Er sprach: Geduld! ich sauge bloß dein Blut;
    Du meintest schon den Tod? nicht also, Schatz:
    Ich bin, von dem du fabeltest, – das Alter.

4.

Es ist ja Sommer, wie die Leute sagen;
    Du, Sonne, scheinst erkaltet und verblaßt;
    Sprich, bist auch du denn alt geworden, hast
    Nicht mehr die Kraft, wie in der Jugend Tagen?

Das Alter, ja. was frommte da zu klagen,
    Das ist ein arger, unbequemer Gast.
    Man lernt wohl noch sich fügen seiner Last,
    Das Unvermeidliche getrost ertragen.

Es ist ja nur um eines Tages Lauf;
    Nacht wird's, ich kann zum Werke nicht mehr sehen
    Und muß wohl schon die Abendfeier halten.

Ein Vorhang fällt, ein andrer wallet auf;
    Viel gab, deß Wille soll und wird geschehen;
    Ich will zum Dankgebet die Hände falten

 


 

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