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Adelbert von Chamisso: Gedichte - Kapitel 159
Quellenangabe
titleGedichte
authorAdelbert von Chamisso
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Francesco Francia's Tod.

           

Francesco Francia war zu seiner Zeit
    Italiens Stolz, gerühmt von allen Zungen
    Als Aurifex und Maler weit und breit.
Zu ihm, dem Alten, ist der Ruf gedrungen
    Vom jungen Römer, welcher sondergleichen
    Sich früh gar hohen Künstlerruhm errungen,
Zwar konnt' er noch zu sehen nicht erreichen
    Ein Werk von ihm, doch haben sie geehret
    Einander und gewechselt Freundschaftszeichen.
Ihm wird die Freude jetzt, die er begehret;
    Sieh! Jener schreibt: Mein Bitten werde mir
    Von meinem väterlichen Freund gewähret.
Ich käme selbst, doch and'res hält mich hier,
    Mein Bild für die San Giovanni-Kapelle,
    Die heilige Cäcilie, send' ich dir.
Vertritt, mein lieber Meister, meine Stelle,
    Sieh' helfend nach, ob Schaden es bekommen,
    Ein Riß, ein Fleck das zarte Werk entstelle;
Und hast den Pinsel du zur Hand genommen,
    Verbess're du zugleich auch liebevoll,
    Wo selber meine Kunst zu kurz gekommen.
Dann stell' es auf, das Bild, da wo es soll,
    Mit Liebe sorgend für das beste Licht,
    Und nimm entgegen meines Dankes Zoll!
Dein Raphael. – Der Meister schnell erbricht
    Die Kiste, zieht das Bild hervor und rückt
    Es sich ins Licht und sieht und glaubt es nicht.
Er steht davor erschrocken und entzückt;
    Erfüllet ist, was seine Träume waren,
    Er fühlt sich selbst vernichtet und beglückt.
»Heil mir! und Preis dir, Herr! der offenbaren
    Du solches noch gewollt in meinen Tagen;
    Nun laß in Frieden deinen Diener fahren.«
Die Jünger hörten ihn die Worte sagen,
    Den letzten Laut aus seinem frommen Munde,
    Nicht Antwort gab er mehr auf ihre Fragen:
Es war des alten Francia's Sterbestunde.

 


 

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