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Adelbert von Chamisso: Gedichte - Kapitel 141
Quellenangabe
titleGedichte
authorAdelbert von Chamisso
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Don Raphael's letztes Gebet.

(Spanisch.)

       

Der ich zuerst das Freiheitswort gesprochen,
    Das mächtig widerhallende, muß sterben,
    Und schon ist über mich der Stab gebrochen.
Ich wende mich zu deinem Kreuz im herben
    Moment, das Blutgerüste zu besteigen,
    Und bete: Herr, laß Gnade mich erwerben.
Mir ward hienieden hoher Ruhm zu eigen,
    Ich gebe mich versöhnt in deine Hut,
    Des Hasses und der Rache Stimmen schweigen.
Der aber sich befleckt mit meinem Blut –
    Vergieb ihm, Herr! die Fülle seiner Schande
    Sei Sühne dir; er weiß nicht, was er thut.
Ich meint' es treu mit meinem lieben Lande,
    Vermaß mich – – Aber du vermagst's allein –
    Es hat gefühlt, geschüttelt seine Bande.
Du rufest meine Träume bald ins Sein,
    Die blut'ge Röte deutet auf den Morgen,
    Die Sonne bricht hervor, ihr Sieg ist dein.
Dem ich gelebet, sterb' ich, sonder Sorgen
    Für and're Güter, liebe, hoffe, glaube;
    Dir sind mein Herz, die Zukunft nicht verborgen.
Und hab' ich mich gewälzet auch im Staube,
    Gesündigt als ein schwacher Menschensohn,
    Du giebst mich nicht dem argen Feind zum Raube.
Mit eh'rner Zunge ruft die Glocke schon, –
    Wohlan! ich war's, ich bin' s, und bin bereit;
    Den Trommeln bietet meine Stimme Hohn
Sie hallte ja durch Spanien weit und breit,
    Und streut' in vieler Herzen schon den Samen,
    Der Spanier hört, was Riego's Blut ihm schreit. –
Du, Herr, empfange meine Seele. Amen.

 


 

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