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Adelbert von Chamisso: Gedichte - Kapitel 128
Quellenangabe
titleGedichte
authorAdelbert von Chamisso
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Der vertriebene König.

Cento novelle antiche. Ed. Manni. Nov. VII.

       

Die alle freien Stimmen ihr verdächtigt,
    So ihr, dasjenige euch vorzusagen,
    Was nur ihr hören wollt, nicht selbst ermächtigt;
Vernehmt die Stimme denn uralter Sagen;
    Hie bin ich, schlicht die Worte des Verstandes
    Aus eurer Väter Zeit euch vorzutragen.
Es war einmal ein König Griechenlandes,
    Dem segnend der Allmächtige verliehen
    Macht, Weisheit und die Liebe seines Landes.
Er ließ von Weisen seinen Sohn erziehen;
    Die kamen denn und sprachen: nimm ihn hin
    Und prüf' ihn, unser Werk ist wohl gediehen.
Und daß er prüfe seines Sohnes Sinn,
    Hieß vieles Gold aus seines Schatzes Hallen
    Er holen und es legen vor ihn hin.
Und vor den Rittern und Baronen allen,
    Das Gold ihm schenkend, sprach er zu dem Sohne:
    Verwende dies nach deinem Wohlgefallen.
Und er befahl, die andern sollten, ohne
    Ihm Rat zu geben, scharf auf ihn nur sehen,
    Und dann Bericht erstatten vor dem Throne.
Da sah der Königssohn vorübergehen
    Die Karawanen aus den fernsten Orten,
    Und hieß die Reisenden ihm Rede stehen.
Gewandt und kühn, mit wohlerwognen Worten
    Sprach Einer: Herr, ich bin ein Handelsmann
    Und mir gehören die Kamele dorten.
Durch eigene Betriebsamkeit gewann
    Ich Schätze, die ich Keinem sonst verdanke,
    Da mir das Land und Mancher danken kann.
Ein Zweiter sprach, verloren in Gedanken, –
    Er wäre lieber unbefragt geblieben –,
    Indem zur Erde seine Blicke sanken:
Ich bin der König Syriens, den vertrieben
    Die aufgeregten Völker; mein Verhalten
    War so, daß sie die Schuld mir zugeschrieben.
Und alles Gold, worüber er zu schalten,
    Gab diesem alsobald das Königskind,
    Darob entrüstet die Barone schalten.
Sie klagten vor dem Throne: Herr, es sind
    Nicht deines Sohnes Thaten lobenswert;
    Er schlug der Weisheit Lehren in den Wind,
Er ließ den Wohlverdienten unbeehrt,
    Indem er unbesonnen seine Gabe
    Dem andern Unbesonnenen beschert.
Es wurde vorgefordert nun der Knabe,
    Daß Rechenschaft er gäbe, wie verwendet
    Das seiner Hand vertraute Gut er habe.
Ich habe nichts verschenkt und nichts verschwendet,
    Sprach zuversichtlich da der Königssohn,
    Und nicht vom Würdigen mich abgewendet.
Bezahlet hab' ich nur verdienten Lohn;
    Von dem ich nichts gelernt, den ließ ich ziehen,
    Des Andern Lehre galt um meinen Thron.
Sein Beispiel hat mir gellend zugeschrieen:
    Nur mächtig ist, den seine Völker lieben,
    Denn über uns ist ihnen Macht verliehen.
Was ich ihm gab, sein Schuldner bin ich blieben.

 


 

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