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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 79
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Huldigungslied.

                  Wär' ich doch so hold wie jener
Freund der Liebeskönigin
Oder nur ein wenig schöner,
Als ich Armer jetzo bin!

Denn von einem holden Knaben
Fühltest du vielleicht den Schmerz
Und verschmähtest nicht die Gaben,
Die ich biete: Hand und Herz.

Rührt dich auch aus blassem Munde
Liebevolle Huldigung,
O, so heile meine Wunde,
Oder gib ihr Linderung!

Dienen kann dir Niemand treuer
Als dein frommer Agathon.
Diese huldigende Leier
Sagt die Hälfte nicht davon.

Unermüdet will er dienen,
Deines Lebens Genius,
Und erforschen aus den Mienen
Wohlgefallen und Verdruß.

Alles, Kind, was dir behagte,
Hätt' ich's, Alles gäb' ich dir.
Schande, wenn ich was versagte,
Hohe Schande wär' es mir!

Fehlen sollt' es dir im Jahre
Nie an Spielen froher Lust,
Nie an Blumen in die Haare,
Nie an Blumen vor die Brust.

Emsig warten jeder Rebe,
Pflegen wollt' ich jeden Baum,
Daß er süße Früchte gäbe
Nur für deinen zarten Gaum.

Schattengänge, Sommerlauben
Wölbt' ich dir zu kühler Ruh',
Trüge Beeren, Nüss' und Trauben
Dir in Binsenkörbchen zu.

Neben deinem Lager stehen,
Wann du lauschtest, wollt' ich hier.
Angenehme Kühlung wehen
Sollt' ein Myrtenfächer dir. –

Alles Leid und Mißbehagen,
Jede Sorge, jede Last
Wär' ich ganz allein zu tragen
Nun und immerdar gefaßt.

Nimmer, Liebchen, wollt' ich trüben
Deines Lebens Heiterkeit.
Alle deine Launen lieben
Wollt' ich mit Verträglichkeit.

Sei es Liebes oder Leides,
Käm' es nur von deiner Huld,
So erwidert' ich auf Beides
Bald Entzücken, bald Geduld.

Flügelschläge von dem Weibchen
Trägt des Taubers frommer Sinn.
Auch von dir, geliebtes Täubchen,
Nähm' ich Alles willig hin.

Hieße mich dein Blick entweichen,
Zürnte mir dein Angesicht,
Trauernd würd' ich von dir schleichen;
Widerstreben könnt' ich nicht.

Winktest du, so eilt' ich wieder,
Küßte den Versöhnungskuß,
Sänk' an deinen Busen nieder
Und verlauschte den Verdruß. –

Rührt', o Liebchen, dich die Weise
Dieses Liedes? Hörest du? –
Ach! Die Ahnung lispelt leise
Mit ein andres Schicksal zu.

Schmuck, ein wenig Schmuck der Wangen
Zieht mit stärkerm Zauber an,
Als das innige Verlangen
Einer guten Seele kann.

Schöne Buhler werden kommen,
Werden dich um Liebe flehn,
Und du wirst von deinem Frommen
Zu dem Schönern übergehn.

Allzu leicht genügt den Sinnen
An der Schale Gleißnerei,
Sorglos, ob der Kern darinnen
Wahrheit oder Lüge sei.

Und wie oft gewann die Lüge
Ihr betrügerisches Spiel,
Wenn den Sinnen nur zur Gnüge
Ihrer Schale Reiz gefiel.

Lüge, gleich dem Farbenspiele,
Das der Regenbogen zeigt,
Hat der leeren Reize viele,
Und mit diesen täuscht sie leicht.

Lüge hat zu Gram und Freude
Wörtchen, wie man gern sie hört;
Schwören kann sie hohe Eide
Wie sie Treu' und Wahrheit schwört.

Ach! Sie wird, dein Herz zu rühren,
Toben wie Verzweifelung.
Eide werden dich verführen,
Eide falscher Huldigung.

Dann werd' ich zur Seite treten,
Weinend über deine Wahl,
Aber dennoch brünstig beten
Mitten unter meiner Qual:

Daß dein Herz nicht übel wähle,
Was dein Auge wohl erkor.
Gott behüte, liebem Seele,
Gott behüte dich davor!

 


 

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