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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 78
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Stutzertändelei.

        Freund Amor, kannst du machen
Für einen hübschen Kuß,
Daß mir Agneschen lachen
Aus frommen Augen muß?

O, allerliebste Sachen,
Die ich kaum nennen kann,
Schenkt' ich für dieses Lachen
Dir, lieber kleiner Mann!

In manchem Spiel um Pfänder
Hab' ich erobert mir
Viel schöne bunte Bänder;
Die alle geb' ich dir.

Ja, dies geraubte Müschchen
Empfingest du sogar,
Und dieses Federbüschchen
Aus Minna's blondem Haar.

Und deinen Köcher schmückte
Von golddurchwirktem Band
Ein Röschen, welches stickte
Des schönsten Mädchens Hand.

Weckst du ihr süßes Lachen,
Sieh, so verdienst du dir,
Die Nymphen naß zu machen,
Die kleine Spritze hier.

Auch sollen dich belohnen
Bonbon und Marzipan,
Vortreffliche Makronen
Und was dir lüsten kann.

Und siehst du dieses Gläschen
Voll Syrakuserwein? –
Erdenke mir ein Späßchen!
Du bist ja sonst so fein. –

Ha, Kleiner! ich erfinde
Viel eher einen Plan;
Den höre mir geschwinde
Mit beiden Ohren an.

In eine kleine Fliege –
Siehst du, was ich erfand! –
Verwandle dich und fliege
Auf ihrer Schnürbrust Rand.

Dort gleite durch die Falte
Im zarten Musselin
Bis zu dem tiefen Spalte
Des warmen Busens hin.

Dort wage mir hernieder,
Geschickt nach Bergmannsart,
Anschließend dein Gefieder,
Die wollustreiche Fahrt.

Dann muß es dir gelingen,
Ihr – neidenswerthe Müh'! –
Ein Lächeln abzuzwingen;
Da kitzle, kitzle sie.

 


 

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