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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 40
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Zum Spatz, der sich auf dem Saale
gefangen hatte

    Bons dies, Herr Spatz! Ei, seht doch mal!
Willkommen hier auf meinem Saal!
Er ist gefangen, sieht er wohl?
Und stellt' er sich auch noch so toll,
Und flög er ewig, kreuz und quer,
Nach allen Fenstern hin und her,
Zerbräch auch Schnabel sich und Kopf,
Er ist gefangen, armer Tropf!
Ich sein Despot, und er mein Sklav!
Er sei Prinz, Junker, oder Graf,
Bei seinem Spatzvolk! – Hör er nun,
Was all' ich mit ihm könnte tun.
Zerzupfen, rupfen, Hals umdrehn –
Da wird nicht Hund noch Hahn nach krähn –
Zerschlagen ihn, mit einem Hieb,
Und das mit Recht, Herr Galgendieb!
Weiß er die Kirschen, die verschmitzt
Er vor dem Maul mir wegstipitzt?
Auch würd es Fürstenkurzweil sein,
Ließ ich den Kater Lips herein.
Wenn ich ja übergnädig wär,
So holt ich eine scharfe Scher,
Und schnitt' ihm ab die Flügelein,
Samt seinem kecken Schwänzelein.
Dann müßt er unter Bett und Bank
Im Staube flattern lebenslang. –
He! Bürschchen, wie ist ihm zu Sinn? –
Doch, seh' er, daß ein Mensch ich bin!
Ich laß ihn wieder frank und frei.
Doch daß stets eingedenk ihm sei,
Die Freiheit sei ein goldner Schatz,
So hudelt man ihn erst, Herr Spatz,
Und scheucht ihn hin und her husch! husch!
Nun Fenster auf! Hinaus zu Busch!

Hu hu! Despotenhudelei!
Gott wahre mich vor Sklaverei!

 


 

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