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Gottfried August Bürger: Gedichte - Kapitel 165
Quellenangabe
titleGedichte
authorGottfried August Bürger
year2017
correctorgerd.bouillon@t-online.de
typepoem
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Elise an Bürger.

              O Bürger, Bürger, edler Mann,
Der Lieder singt, wie Keiner kann
Vom Rhein an bis zum Belt,
Vergebens berg' ich das Gefühl,
Das mir bei deinem Harfenspiel
Den Busen schwellt!

Mein Auge sah von dir sonst nichts
Als nur die Abschrift des Gesichts,
Und dennoch – lieb' ich dich!
Denn deine Seele, fromm und gut,
Und deiner Lieder Kraft und Muth
Entzückten mich.

So füllt' im ganzen Musenhain
Von allen Sängern, groß und klein,
Noch Keiner mir die Brust.
Sie wogt' empor wie Flut der See;
Es kämpften stürmend Lust und Weh
Und Weg und Lust.

An Wonnen wie an Thränen reich,
Rief ich, wie oft: »O herzen gleich
Und küssen möcht' ich dich!« –
So wechselte, wie dein Gesang,
In mir der Hochgefühle Drang,
Dem Alles wich.

O Bürger, Bürger, süßer Mann,
Der Ohr und Herz bezaubern kann
Mit Schmeichelwort und Sinn,
Mein Loblied ehrt dich freilich nicht;
Doch höre, was mein Herz dir spricht
Und wer ich bin!

In Schwaben blüht am Neckarstrand
Ein schönes segenreiches Land,
Das mich an's Licht gebar,
Ein Land, worin seit grauer Zeit
Die alte deutsche Redlichkeit
Zu Hause war.

Da wuchs ich wohlbehalten auf,
Und meines reinen Lebens Lauf
Maß zwanzig Mal das Jahr.
Zum Grabe sank mein Vater früh –
Kaum ließ mir noch der Himmel Die,
Die mich gebar.

Schon wankend an des Grabes Rand,
Ergriff sie des Erbarmers Hand
Und gab sie mir zurück.
Sie bildete mit weiser Müh',
Was Gutes mir Natur verlieh,
Zu meinem Glück.

Bei heiterm Geist, bei frohem Muth
Ward mir ein Herz, das fromm und gut
Vor Gott zu sein begehrt.
Nur edler Liebe huldigt's frei,
Und was es liebt, das liebt es treu
Und hält es werth.

Mein Leib, – er zeigt vielleicht dem Blick
Kein Stümper- und kein Meisterstück
Der bildenden Natur.
Ich bin nicht arm und bin nicht reich;
Mein Stand hält, meinen Gütern gleich
Die Mittelspur.

Die bin ich, die! und – liebe dich!
Im schönen Stuttgart find'st du mich,
Du trauter Wittwersmann!
Umschlänge wol nach langem Harm
Ein liebevolles Weib dein Arm,
So komm heran!

Denn träten tausend Freier her
Und böten Säcke, Goldes schwer,
Und du begehrtest mein,
Dir weigert' ich nicht Herz noch Hand;
Selbst um mein liebes Vaterland
Tauscht' ich dich ein.

Steht Schwabenlieb' und Treu' dir an,
So komm, Geliebter, komm heran
Und wirb – o wirb um mich! –
Nimm oder nimm mich nicht, so ist
Und bleibt mein Lied zu jeder Frist:
Dich lieb' ich, dich!

 
An Elise.

über die Umarbeitung des voranstehenden Liedes.

          Dein neues Lied, mehr gnügt es Geist und Ohr,
Als das, wodurch ich einst mein Herz an dich verlor,
Und meine Kunst – sie lächelt diesen Tönen;
Doch meine Liebe lächelt jenen.
Sprich, welches Lächeln ziehst du vor?

 
An Elise.

          Was singt mir dort aus Myrtenhecken
Im Ton der liebevollen Braut?
Mein Herz vernimmt mit süßem Schrecken
Den unerhörten Schmeichellaut.
O Stimme, willst du mich nur necken,
Und lachend den Betrug entdecken,
Sobald das eitle Herz dir traut?

Es singt: Ich bin ein Schwabenmädchen,
Und wirbt um mich gar unbesehn,
O ihr Poeten und Poetchen,
Wem ist ein Gleiches noch geschehn?
Das ist fürwahr das schönste Fädchen,
So mir auf goldnem Spinnerädchen
Die Parzen in mein Leben drehn!

O Schwabenmädchen, lieblich schallen
Zwar deine Töne mir in's Ohr;
Doch auch dem Auge zu gefallen,
Tritt nun aus deiner Nacht hervor!
Denn ach! die Liebesgötter wallen
Zu meinem Herzen wie zu allen
Durch's Auge lieber als durch's Ohr,

Und zeigt, die Sehnsucht zu erfreuen
Die Ferne mir dich selbst nicht klar,
So mache deine Schmeicheleien
Durch dieser Bitt' Erfüllung wahr:
Laß, ohn' ein Mißgeschick zu scheuen,
Dich von der Wahrheit conterfeien
Und stelle ganz dein Bild mir dar!

Du sollst nicht hoch in Schönheit prangen,
Denn ich bin selbst nicht jung und schön;
Das aber darf ich wol verlangen:
Mein Auge muß mit Lust dich sehn.
Auf! Zwingt kein Fehl dich, zu erbangen,
So nimm am Tage mich gefangen!
Und dann – was sein soll, muß geschehn.

 


 

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